Autor Thema: Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)  (Gelesen 14607 mal)

Laoin

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« am: 25. Juni 2003, 17:32:49 »
Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)

Am dritten Tag im Monat der Schlange starb in Mag Mell ein Mann.

Durch nichts hatte er sich in seinem Leben besonders ausgezeichnet, nichts machte ihn zu etwas Besonderem - nur sein Tod. Denn der war besonders grausam und blutig. Als man ihn fand, lag sein Oberkörper fast vollständig von seinem Unterkörper getrennt auf der Treppe, die zum Palast von Fagan emporführte. Seine Innereien waren wie bei einem abstrakten Gemälde um seinen Körper herum drapiert, sauber, wie mit einem scharfen Messer, aus dem aufgeschlitzten Brustkorb geschnitten. Da nur sehr wenig Blut an der Stelle zu finden war, an der er lag, war für den Wachführer,  der den Tod untersuchte, offensichtlich, dass der Mann nicht am Fundort der Leiche getötet worden war. Lange suchten er und seine Männer nach der Stelle, an der der Mord stattgefunden hatte, aber sie fanden sie nicht. Auch die Befragung der Frau, die die Leiche gefunden hatte und hysterisch die Wache geholt hatte, führte zu nichts. Und so musste der Wachführer nach einigen Tagen dem Lord Fagan melden, dass der Mord nicht aufzuklären war, da auch alle Versuche, mit Zauberei weiterzukommen, scheiterten. Fagan, der ungeklärte Geheimnisse hasste, bestrafte wütend die Wachen, was aber zur Klärung des Mordes auch nichts beitrug. Nach einigen Tagen ging man in Mag Mell zur Tagesordnung über und aktuellere Ereignissen ließen die Erinnerung an den grausamen Tod des Mannes verblassen. Der Mörder aber blieb unerkannt.

Und so begann es.


                    *****

Am dritten Tag, bevor Lady Arina in Tir ná nOg eines grausamen Todes starb, stand Algon im Innenhof der Ordensfeste der Gilde der Dunklen Templer und fluchte. Genauer gesagt lag er meistens. Wieder und wieder landete er auf dem harten, gepflasterten Boden des Übungsbereiches. Schon schmerzte sein Rücken mehr von den Aufschlägen auf der Erde als von den Treffern der hölzernen Übungswaffe seiner Gegnerin. "Uff!", entfuhr es ihm, als die kleine Lurikeen ihm mit einer blitzartigen Bewegung das Standbein wegtrat und ihn damit erneut zu Boden schickte. Mühsam rappelte er sich wieder hoch, während ihn die schwarzgekleidete winzige Frau angrinste. "Du bist zu langsam, oh mächtiger Fian. Du musst dich mehr bewegen, deine Füße schneller vom Boden bekommen." "Welche Dämonen haben mich nur geritten, mit einem Nachtschatten zu üben?", stöhnte Algon und schickte einen wütenden Blick zu seinem Freund Felips, der auf einer Bank im Schatten eines Laubenganges saß und sich vor Lachen den Bauch hielt, während er Algons häufigen Kontaktaufnahmen mit dem Hofpflaster zusah. "Deine neue Schuppenrüstung macht dich unbeweglich", sagte Sry, der weibliche Lurikeen-Nachtschatten. Algon knurrte ärgerlich. Er war noch jung und ungeheuer stolz darauf, dass er seit kurzem endlich eine Schuppenrüstung tragen konnte. Auf jede Kritik reagierte er gereizt. "Darum üben wir ja", fauchte er frustriert. Sry lächelte nachsichtig und ging in Ausgangsstellung, das Holzschwert leicht erhoben. Algon seufzte und rückte seine Rüstung zurecht, dann hob auch er seine Übungswaffe. Diesmal würde er sich nicht übertölpeln lassen, schwor er sich. Als Sry ihm zunickte griff er mit schnellen, kontrollierten Schlägen an, doch die schweren Schuppenarmlinge seiner neuen Rüstung machten seine Hiebe ungewohnt langsam. Problemlos wehrte der Nachtschatten Algons Angriffe ab. Dann schlug Sry selbst zu und Algon hatte alle Mühe, die Hiebe zu parieren oder ihnen auszuweichen. Schweiß tropfte ihm in die Augen und brannte. Gewandt wich die Lurikeen einem tiefen Schlag des jungen Fian aus; erschrocken bemerkte Algon, dass die Öffnung in Srys Deckung, die er zu erkennen geglaubt hatte, offenbar nur eine Finte gewesen war. Dann erstarrte er, als das Holzschwert seiner Gegnerin nur einen Fingerbreit vor der ungedeckten Stelle unterhalb seines Kehlkopfes verharrte. Er hatte diesen heimtückischen Stoß des Nachtschattens überhaupt nicht kommen sehn. "Tot!" Sry grinste ihn schief an. Ärgerlich ließ Algon seine Übungswaffe sinken. "Das war aber kein regelgerechter Stoß!", beklagte er sich. Schlagartig verschwand das Grinsen aus Srys Gesicht. "So etwas wie 'regelgerechte Stöße' gibt es nicht!", herrschte sie ihn an. "Kein Feind interessiert sich dafür, ob ein Angriff deinen selbst gemachten Regeln entspricht oder nicht. Und Monstern ist es noch mehr egal. Glaubst du etwa, einen Chton-Ritter im Abgrund der Finsternis  kümmert es, ob der Schlag, mit dem er dir den Schädel vom Rumpf trennt, 'regelgerecht' war oder nicht?" Betreten schüttelte Algon den Kopf. "Es gibt nur 'nützliche' Schläge und 'sinnlose' Schläge.", dozierte Sry. "Und 'sinnlose' Schläge sind tödliche Schläge. Tödlich aber nicht für deinen Gegner, sondern tödlich für dich! Dein letzter Hieb eben, das war so ein ‚sinnloser' Schlag. Du bekommst die Arme nicht hoch und öffnest deine Deckung. Und außerdem wärst du fast von selbst in mein Schwert gelaufen, weil du nicht im inneren Gleichgewicht stehst. Das solltest du wirklich noch üben." Zerknirscht nickte Algon.

Sry ging zu einem der Waffenständer am Rand des Übungsfeldes und stellte ihr Holzschwert hinein. "Für heute lassen wir es gut sein.", sagte sie. "Morgen Abend machen wir dann weiter." Mit einem kurzen Nicken verschwand sie im Inneren der Ordensfeste und ließ Algon mit schmerzendem Oberkörper und hochroten Ohren stehen. Geknickt drehte er sich zu Felips um, aber von dem war natürlich kein Trost zu erwarten. Grinsend saß der kleine Eldritch auf seiner Bank. In dem Moment betrat ihr gemeinsamer Freund Teslin, der Champion, den Hof und sah Algon verlassen in der Mitte des Übungsfeldes stehen. Mit ironisch hoch gezogenen Augenbrauen fragte er Felips: "Was macht denn unser großer Held so einsam da?" "Ich glaube, er überarbeitet gerade sein geheimes Regelbuch des Schwertkampfes", antwortete der Lurikeen und brach in schallendes Gelächter aus. Auch Teslin grinste, während Algon ärgerlich seine Waffe wegstellte. Missmutig stampfte er zu seinen Freunden.

"Du siehst aus, als könntest du einen großen Humpen Ale gebrauchen." "Gute Idee, Teslin. Leuten beim Lernen zuzugucken, macht sehr durstig.", lachte Felips.

Algon seufzte. "Na gut, gehen wir was trinken." Doch Teslin schaute ihn kritisch an. "Ohne Euch zu nahe treten zu wollen, oh großer Held... aber Ihr solltet Euch Eurer Rüstung entledigen und schauen, ob Ihr einen Waschzuber findet. Manche junge Maid empfindet den "Duft" einer verschwitzten Schuppenrüstung als nicht so furchtbar anregend..." Algon knurrte. "Ich kann auch gut ohne all das "Ge-Ihre" und "Ge-Euche leben", Teslin." Der Elf grinste ihn an. "Zieh dich halt um, Algon." Der Fian grummelte vor sich hin. "Wir treffen uns am Eingang zur Feste."

Nachdem Algon sich aus seiner noch ungewohnten Schuppenrüstung gequält und gewaschen hatte, zog er eine weiche, dunkelgraue Robe an und eilte zum Festungstor, wo seine Freunde schon auf ihn warteten. Gemeinsam zogen sie in die Stadt in Richtung ihres Stammlokals, dem "Grab Bag Inn".

                          *****

Die beiden Gestalten, die im zuckenden Licht einer einzelnen Kerze an dem uralten Holztisch in dem ansonsten finsteren großen Raum saßen, schwiegen. Ihre Gesichter waren unter weiten Kapuzen verborgen. Sie warteten. Lang würde es nicht mehr dauern, bis er unruhig werden würde. Sein Hunger würde bald wieder größer werden, bis er schließlich davon erwachen würde.

Der Plan entwickelte sich wie vorgesehen und das Rad der Ereignisse begann sich schneller zu drehen.

******

Tief verborgen in der Finsternis eines versteckten Raumes war ein Geräusch zu hören. Stoff schabte über Stein, als ein Körper sich zu regen begann. Noch waren die Bewegungen langsam und kamen nur selten. Aber das würde sich bald ändern.

Und Lady Arina hatte nur noch zwei Nächte zu leben.


                          ******
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Laoin

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #1 am: 26. Juni 2003, 18:28:42 »
Das "Grab Bag Inn" war wie immer - laut, überfüllt, verraucht, unordentlich. Doch gerade deshalb liebten Algon und seine Freunde das Gasthaus so. Es bot eine so ganz andere Atmosphäre als die manchmal doch sehr ernste Ordensfeste der Dunklen Templer. Hier traf man Gäste, die ein Dunkler Templer sonst kaum kennen lernen konnte. Zwielichtige Gestalten, Geschichtenerzähler und Akrobaten, Aufschneider und Raufbolde und vor allem Abenteurer und ihre Auftraggeber, die in schummerigen Ecken des "Grab" ihre Geschäfte abwickelten.

Als die Drei das Gasthaus betraten, schwappte diese Atmosphäre wie eine Welle über ihnen zusammen, nahm sie mit, hüllte sie ein. Am Eingang blieb Algon stehen und ließ die ganz eigene Welt des "Grab Bag Inn" auf sich wirken. An der riesigen Theke in der Mitte des Raumes sorgten etliche Bedienstete dafür, dass der Strom an Ale und billigem Wein nicht abriss und den zahlreichen Gäste nicht - wie sie lautstark beklagten - ein rascher Tod durch Verdursten drohte. An mehreren Tischen fanden unter dem Lauten Johlen und Brüllen der Umstehenden Glücksspiele statt, von denen manche vor den strengen Augen des obersten Lordrichters von Hibernia sicherlich keine Gnade gefunden hätten. In ruhigeren Ecken des Schankraumes saßen die merkwürdigsten Gestalten in leise Gespräche vertieft, hartäugige Krieger oder in seltsame Gewänder gekleidete Zauberer. Zwei Barden versuchten mit zotigen Liedern auf der kleinen Bühne in der Mitte des Schankraumes die Aufmerksamkeit der Gäste zu erringen, was ihnen aber nicht wirklich gelang.

"Eh, Algon, komm! Hier ist noch ein Tisch frei." Bei Felips Ruf nickte Algon. Seine beiden Freunde hatten in einer etwas abgelegeneren Ecke des Raumes noch einen kleinen freien Tisch entdeckt. Kaum hatten sich die Drei hingesetzt, kam schon eine Bedienstete, die dickste Lurikeen-Frau, die Algon je gesehen hatte, um nach ihren Wünschen zu fragen. Nachdem sie drei große Humpen Ale bestellt hatten, eilte die Lurikeen von dannen und die jungen Templer sahen sich um. Während Felips und Teslin ein Gespräch über ihre Ausbilder begannen, studierte Algon heimlich, wie er dachte, die an den Tischen in der Nähe sitzenden Gäste. Er fand das faszinierend. Die seltsamsten Gestalten, Elfen, Kelten, Lurikeen, Firbolgs oder auch ein seltener Sylvaner, saßen dort zusammen. Es machte ihm Spaß, Spekulationen darüber anzustellen, was wohl der Hintergrund jenes dunkelhäutigen Waldläufers dort oder des narbenübersähten Kriegers war, der am Nachbartisch saß und sich mit einer jungen Elfin unterhielt.

Plötzlich zog eine lautstarke Auseinandersetzung an einem der anderen Tische seine Aufmerksamkeit auf sich. Dort gifteten sich ein breitschultriger Firbolg und eine klein gewachsene, dunkelhaarige Elfin an, die sofort Algons Interesse weckte. Verstohlen lauschte er dem Streit, während er die junge Frau musterte. Ihr hübsches Gesicht war vor Ärger rot angelaufen und ihre haselnussbraunen Augen blitzten, während sie mit ihrem Gegenüber stritt. "50 Goldstücke waren ausgemacht für eine Fomoria-Laute. Hier ist die Laute, ich will meine 50 Goldstücke. Was kann ich dafür, wenn die Fomorianer eine Laute gebaut haben, die nicht deinen Vorstellungen entspricht?" Algon konnte die Erwiderung des Firbolgs nicht verstehen, aber sie löste offenbar einen neuen Zornesausbruch der Elfin aus. "25
Goldstücke? Bist du verrückt? Vergiss es, da kannst du das nächste Mal ja selbst gehen und Fomorianer töten, wenn du eine Laute haben willst. Es interessiert mich überhaupt nicht, ob ihre magischen Eigenschaften nicht deinen Vorstellungen entsprechen. Bestellt ist bestellt!" Da sprang der Firbolg auf und versuchte, die junge Frau über den Tisch hinüber am Kragen zu packen, ein Fehler, wie sich sofort herausstellen sollte. Denn plötzlich schimmerte ein sehr tödlich aussehender langer Dolch an seiner Kehle, den die Elfin offenbar in einer blitzschnellen Bewegung aus ihrem Hemdsärmel gezogen hatte. "Das solltest du besser nicht versuchen!", zischte sie.

Mit dieser Eskalation sorgte die Auseinandersetzung für mildes Interesse bei den anderen Gästen des "Grab", die aber ganz andere Dinge gewohnt waren. Ein paar spöttische Bemerkungen flogen von anderen Tischen aus herüber, ansonsten kümmerte man sich nicht um den Streit. Algon war als einziger aufgesprungen, als der Firbolg versucht hatte, die Frau anzugreifen. Seine Freunde schauten ihn erstaunt an und zogen ihn zurück auf seinen Platz. "Was soll das, Algon? Das geht dich nichts an. Du weißt doch, wie das hier läuft." Teslin schüttelte den Kopf. "Wir können doch nicht zulassen, dass der verfluchte Firbolg der Kleinen an die Wäsche geht!", entgegnete Algon hitzig. "Für mich sieht es so aus, als könne sie ganz gut auf sich selbst aufpassen.", meinte Felips und nahm einen tiefen Zug aus seinem Humpen. In der Tat sah es so aus, als ob der Firbolg bei der Auseinandersetzung den Kürzeren gezogen hätte. Mittlerweise saßen er und die Elfin wieder und diskutierten in ruhigerem Ton über den Preis der Laute, die neben der Elfin auf einem Stuhl lag. Schließlich einigten sie sich offenbar auf einen Preis und der Firbolg zog mit Laute in der Hand und einem säuerlichen Ausdruck auf dem Gesicht von dannen. Mit einer selbstzufriedenen Miene zählte die junge Frau die Münzen in einen Geldbeutel.

Da bemerkte sie Algons interessierte Blicke, der immer wieder zu ihr herüberstarrte. Sie griff neben sich und hob einen langen Bogen und einen Pfeilköcher auf. Dann packte sie einen kleinen Rucksack  und erhob sich. Mit schnellen Schritten kam sie zum Tisch der drei Templer herüber und blieb vor Algon stehen. "Was guckst du so, Kleiner?" Sie starrte ihn an. Algon konnte praktisch spüren, wie seine Ohren eine hochrote Farbe annahmen. "Äh... Kleiner?" Er ließ seinen Blick an ihrem Körper rauf- und runterwandern. Sie ging ihm höchstens bis zur Brust. Ihre Augen blitzten wieder, diesmal amüsiert. "Alles relativ, Templer, alles relativ." Sie wandte sich zum Gehen. "Ähm, willst du dich nicht zu uns setzen?", schoss es aus Algon heraus. Die Elfin drehte sich um und musterte ihn nachdenklich. Dann griff sie sich einen Stuhl und setzte sich an den Tisch. "Wenn du bezahlst!", grinste sie. Algon lachte und nickte.

"Ich bin Taleea."

******
Der Mann im dunklen Mantel beobachtete verborgen in einer Nische des Schankraumes die vier jungen Leute, die sich lachend miteinander bekannt machten. Ein neuer Faktor im großen Plan, aber was für eine interessante Ergänzung. Er nickte langsam. Ja, dachte er. Es ist perfekt.

Keiner der Vier nahm von ihm Notiz, als er verstohlen das "Grab Bag Inn" verließ.
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Laoin

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #2 am: 01. Juli 2003, 17:21:49 »
Als der vorletzte Tag im Leben von Lady Arina graute, stellte Algon fest, wie unfassbar schlecht es einem nach einer durchzechten Nacht gehen kann. Verzweifelt drückte er sein Gesicht ins Kissen, um das fahle Licht des anbrechenden Tages, das durch das kleine Fenster seiner Kammer drang, auszuschließen. In seinem Kopf tanzte ein ganzer Firbolgstamm Ringelrein zu dröhnenden Trommeln. Und der Geschmack in seinem Mund erinnerte ihn an den schlimmsten Unrat aus den tiefsten Tiefen eines moderigen Dungeons. Schließlich forderte aber die Natur ihr Recht und widerwillig erhob er sich und erledigte seine Morgentoilette. Nachdem er einen großen Krug Wasser getrunken und seinen Kopf in einen Eimer getaucht hatte, gingen die hämmernden Schmerzen in seinem Schädel auf ein gerade noch erträgliches Maß zurück. Mühsam versuchte er den Verlauf des Abends zu rekonstruieren. Er erinnerte sich an entsetzlich viele Humpen braunes Ale, gemischt mit einigen sehr viel stärkeren Getränken. Problemlos hatte ihre neue Bekannte, die junge Waldläuferin Taleea, mit den drei Templern beim Trinken mitgehalten. Vermutlich ging es ihr heute sogar besser als Algon und den anderen, denn sie zeigte auch am Ende des Abends keine besonderen alkoholbedingten Auffälligkeiten, sondern amüsierte sich prächtig über die drei betrunkenen jungen Männer.

Er erinnerte sich düster, dass sie sich für den Abend des nächsten Tages wieder verabredet hatten. "Kein Alkohol!", schwor er sich.

Als er den Speisesaal der Ordensfeste betrat, sah er Felips an einem Tisch in der Ecke des Raumes sitzen und lustlos in einer Schale mit Hafergrütze herumstochern. Er setzte sich zu ihm. Statt einer Begrüßung bekam er nur ein gegrummeltes "Hrmgpfm" von ihm zu hören. Aber Worte waren eigentlich auch unnötig. Schon der Gedanke, etwas essen zu müssen, war Algon zuwider. Und so saßen die beiden wortlos eine Weile herum. Schließlich fragte Algon: "Wo ist eigentlich Teslin?" "Noch im Bett vermutlich", knurrte der junge Eldritch. Ein bösartiges Grinsen machte sich auf Algons Gesicht breit. "Findest du es nicht auch furchtbar ungerecht, dass wir schon hier rumsitzen müssen und der alte Elf liegt noch schlummernd in den Federn?" Felips kniff die Augen zusammen. "In der Tat. Zumal wir uns eigentlich heute von Großmeister Rimbald den Bau von Belagerungsrammen erklären lassen wollten." "Aber das war doch erst heute Nachmittag." Felips zuckte mit einer unschuldigen Miene die Schultern. "Na und?" Dann grinste er hinterhältig. "Wir können doch nicht wissen, wie lange er braucht, um fertig zu werden. Ich finde, es ist unsere Pflicht als Freunde, dafür zu sorgen, dass er rechtzeitig aufsteht, um den Termin einhalten zu können." Algon lachte. "Stimmt. Komm lass uns unsere Pflicht erfüllen gehen."

Als sie mit lautem Gebrüll in Teslins kleine Kammer stürmten, fanden sie ihren Freund noch in der Kleidung des vorherigen Abends auf dem Bett liegen. Stöhnend drückte er sich das Kopfkissen übers Gesicht, als Algon sich Teslins Schwert griff und damit auf dessen Schild hämmerte, das in einer Ecke stand. "Gnade", winselte er, während Felips ihm das Kissen vom Gesicht zerrte. Als ihm Algon dann aber einen Krug Wasser ins Gesicht kippte, sprang er prustend und fluchend auf. "Oh, ihr Hundesöhne! Na wartet!"

Teslins kläglichen Versuche, seine lachenden Freunde zu verfolgen und ihrer gerechten Strafe zuzuführen, scheiterten schmählich an der noch nicht wieder komplett hergestellten Koordination seiner Bewegungsabläufe.

Noch einige Stunden später, als die Drei den Großmeister Rimbald, einen der wichtigsten Handwerker der Dunklen Templer, in seinem Werkraum besuchten, um sich von ihm die Grundlagen des Belagerungshandwerks erklären zu lassen, saß Teslin mit kalkweißem Gesicht und zitternden Händen auf seinem Schemel. Mit starrem Blick verfolgte er die Ausführungen des Hüters, der problemlos die mächtigen Einzelteile von Rammen und Katapulten herbeischleppte und den drei jungen Templern vorstellte. "Eigentlich sollte jede Templergruppe immer mindestens eine Ramme mit sich führen", brummelte Großmeister Rimbald. "Aber da rede ich wohl gegen Wände. Auf jeden Fall sollte jeder Templer aber wissen, welche Teile man für den Bau einer Ramme braucht und am besten noch, wie man sie zusammenbaut. Nicht wahr, Teslin?" Er beugte sich über den Elfen, der erschrocken hochzuckte und zu ihm aufblickte. "Äh ja, Euer Eminenz. Ganz richtig." "Hmhm, soso. Na, da du mir ja jetzt so gut zugehört hast, kannst du mir ja jetzt bestimmt sagen, wie die Rammenspitze mit dem Rammencorpus verbunden wird, nicht wahr?" Kläglich schüttelte Teslin den Kopf. Seine Freunde grinsten über beide Ohren. "Ich gehe mal davon aus, dass eure hämischen Mienen besagen, dass ihr es besser wisst.", knurrte Rimbald Algon und Felips an. "Also los, ran an die Arbeit! Zeigt mir, wie es gemacht wird!"

Als großer Held des Reiches von Hibernia und mächtiger Fian begann Algon erst vor Schmerzen zu fluchen, als Felips ihm zum dritten Mal mit dem Hammer auf die Finger haute...

******

Hunger. Dieser eine Gedanke beherrschte sein Unterbewusstsein. Eine Art gähnende Leere in seinem Innern, die schon bald gesättigt werden musste. Seine Bewegungen waren jetzt regelmäßig, aber noch war er sich seiner Umgebung nicht bewusst. Seine messerscharfen Klauen scharrten über den Stein des uralten Sarkophages, auf dem er in der Dunkelheit lag. Das Blut des letzten Opfers klebte noch getrocknet an ihnen.

Es war schon so lange her. Und nun war der Hunger größer als je zuvor.

Bald, ja bald würde er erwachen.

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Laoin

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #3 am: 09. Juli 2003, 17:51:26 »
Der letzte Tag im Leben von Lady Arina begann in der Ordensfeste der Dunklen Templer mit der üblichen Routine. Nach einem kargen Frühstück widmeten sich Algon und Teslin ihren Waffenübungen, während Felips sich in uralte Manuskripte vergrub, um sein Wissen der arkanen Künste zu verfeinern. Am Mittag versammelten sich die Templer in der Großen Halle der Festung, um von Großmeister Laoin über aktuelle Ereignisse aus Hibernia und den Grenzgebieten informiert zu werden. Nachdem Teslin ihn das dritte Mal mit einem heftigen Ellbogenstoß aus dem Schlaf gerissen hatte, gab Algon den Versuch auf, der leiernden Stimme des Lurikeen-Beschwörers zu folgen und schlich sich aus der Halle. Die Wache am Eingang beobachtete ihn amüsiert, während er sich streckte und herzhaft gähnte. Schuldbewusst räusperte sich Algon. Dann begab er sich in den Kartenraum der Ordensfeste. Das Zimmer, dessen Wände über und über mit Landkarten behängt waren, zog ihn immer wie magisch an. Stundenlang konnte er über riesigen Atlanten und brüchigen Kartenrollen brüten, Reisebeschreibungen längst verstorbener Dunkler Templer lesen und sich ausmalen, all die fremden Gegenden, die dort beschrieben standen, selbst zu erforschen. Besonders beschäftigte ihn der Gedanke, einmal mit seinen Freunden in das große Nest der Spraggons, eines Volkes von koboldartigen Geschöpfen, einzudringen. Gerüchte besagte, dass dort, im Westen der Silbeminenberge, große Reichtümer und seltene magische Gegenstände zu erbeuten waren. Gerade las er fasziniert einen Bericht eines namenlosen Reisenden, der vor vielen Jahren mit einer Gruppe wagemutiger Recken das Nest betreten hatte und dort in schweren Kämpfen gegen die Bewohner so manches Goldstück hatte gewinnen können, als Felips ihn durch heftiges Rütteln an der Schulter in die Realität zurückholte.

"Hey, du Möchtegern-Weltreisender! Aufwachen! Wir haben eine Verabredung mit der lieblichen Taleea. Schon vergessen?" Algon schüttelte den Kopf. "Nein, wie könnte ich." Mit einem leichten Bedauern legte er die Schriftrolle, in der er gelesen hatte, in den dafür vorgesehenen Schrank zurück. "Wo wollten wir uns denn eigentlich mit ihr Treffen?", fragte er Felips. "Irgendwie kann ich mich daran nicht mehr erinnern..." "Auf dem Handwerkermarkt beim Palast. Taleea sagte etwas von einem neuen Bogen, den sie sich mit dem Geld, was sie bekommen hat, kaufen wollte. Komm, Teslin wartet schon."

Als die drei jungen Templer die Ordensfeste verließen, war es bereits später Nachmittag. Sie drängten sich durch den dichten Verkehr der Hauptstadt Hibernias. Wenn auch Pferde eine Seltenheit in der Stadt waren, so waren die Hauptstraßen Tir na nÓgs dennoch überfüllt. Als sie den großen Hauptmarkt zu Füßen des Palastes erreichten, wussten sie, dass es nicht ganz einfach sein würde, Taleea in dem Gedränge zu finden. Der Hauptmarkt war vor allem ein Sammelpunkt für die zahlreichen Handwerker Hibernias. Hier konnten seltene Rohstoffe erworben werden, die man zur Herstellung der feinsten Waffen oder Rüstungen benötigte. Handelswaren aus fremden Ländern wurden hier ebenso angeboten wie die Beute aus finsteren Verliesen, die dort von furchtbaren Monstern gehortet worden war, bis diese ihr Leben auf dem Speer eines hibernianischen Abenteurers ausgehaucht hatten. In großen Schmieden am Rande des Marktes wurden Klingen und Rüstungsteile hergestellt, so dass ein beständiger Geruch von verbrannter Holzkohle und erhitztem Metall in der Luft lag. Dieser Geruch mischte sich mit den Düften, die von zahllosen Ständen ausgingen, wo die unterschiedlichsten Speisen und Getränke angeboten wurden.

Fasziniert blieben die Drei immer wieder an Ständen stehen, die ganz besondere Handelswaren feilboten. Ein Stand zog Felips wie magisch an. Der dunkelhaarige Kaufmann handelte mit seltenen Fellen, aber auch mit ungewöhnlichen lebenden Tieren. Großspurig pries er die in kleine Käfige gezwängten Tiere als "nie gesehene Wesen" an, die er unter Einsatz seines Lebens in fremden Ländern eigenhändig gefangen habe. Während Algon und Teslin die Prahlerei des Händlers über sich ergehen ließen, starrte Felips gebannt in einen Käfig, in dem sich ein kleines Pelzbündel zusammenkauerte. Zwei tiefbraune Augen lugten ängstlich aus dem Pelzknäuel hervor. "Was ist das für ein Tier?", unterbrach er den pompösen Wortschwall des Kaufmannes.

"Ah, junger Meister. Da interessiert Ihr Euch für ein ganz besonders seltenes Exemplar. Das ist ein Baummännchen. Ich fing es auf einer meiner Expeditionen in die grausamen Dschungel des südlichen Goldlandes, als ich..." "Schon gut, schon gut." Felips winkte ungeduldig ab. "Ich würde mir es gern angucken." "Sehr gern, junger Meister." Der Händler öffnete den Käfig und griff hinein. Mit harter Hand zog er das kleine Wesen heraus, das klägliche Laute ausstieß. "Es sieht tatsächlich aus wie ein winziges Männlein mit Pelz", stellte Algon erstaunt fest. "Was soll es kosten?" Felips starrte das Tier an, das verzweifelt im Griff des Händlers pendelte. Sein langer pelziger Schwanz schlug heftig hin und her. Angstvoll bleckte es immer wieder die Zähne in seinem erstaunlich menschenähnlichen Gesicht. "Ihr seht selbst, junger Meister, dass es ein sehr seltenes Tier ist. Und wenn ich die großen Gefahren bedenke, unter denen ich es einfangen konnte..." Gelangweilt zog Felips die Augenbrauen hoch, was den Händler verstummen ließ. "50 Goldstücke kostet das Tier." Felips lachte schallend auf. "50? Für so ein kleines Stück Pelz? Nein, nein. Mehr als 10 Goldstücke ist es wirklich nicht wert. Schaut doch, wie verhungert das Tier ist. 10 Goldstücke und kein Kupferstück mehr." "Ihr beliebt zu scherzen, junger Meister." Entsetzt warf der Händler die Arme hoch und hätte dabei um ein Haar das Baummännchen fallen lassen. Amüsiert beobachteten Algon und Teslin, wie sich zwischen Felips und dem Händler ein hartes Feilschen entwickelte. So kannten die beiden ihren Freund gar nicht. Schließlich einigte Felips sich mit dem Kaufmann auf einen Preis von 23 Goldstücken. Dafür erhielt er zusätzlich noch ein dünnes Lederhalsband für das Tier, dass er dem Baummännchen umband und mit einer Lederleine verknüpfte. Mit säuerlichem Gesicht ließ der Händler die drei Freunde ziehen. Felips trug das Baummännchen im Arm.

Zweifelnd blickte Teslin auf des zitternde Pelzknäuel, dass sich in Felips Armbeuge versteckte. "Hm, ob du da ein gutes Geschäft gemacht hast... Was willst du überhaupt mit dem Tier?" Felips streichelte das verschreckte Wesen. "Ehrlich gesagt, ich weiß es gar nicht genau. Aber als es mich aus dem Käfig heraus so angeschaut hat, da konnte ich nicht anders." Algon lachte. "Naja, man hört ja immer wieder von Magiern, die einen tierischen Gefährten haben. Wofür auch immer. Ha, erinnere mich bloß daran, dass ich von dir niemals etwas kaufe. Du feilscht ja schlimmer als ein Firbolg-Marktweib." Felips zuckte mit den Achseln. "Mein Vater ist Viehhändler in Tir Urphost. Früher hat er mich immer mitgenommen, wenn er mit den Bauern über ihre Kühe verhandelt hat. Da bleibt was hängen."
Grübelnd starrte er auf das Tier. "Ich kann es schlecht "Baummännchen" nennen, oder? Was für einen Namen soll ich ihm wohl geben?" Teslin grinste. "Hängt vielleicht davon ab, ob es weiblich oder männlich ist, meinst du nicht?" Betroffen starrte Felips ihn an. "Ich habe keine Ahnung." Seine Freunde lachten. "Guck doch nach. Wenn es so menschenähnlich ist, sollte man den Unterschied wohl sehen, oder?" Mit roten Wangen suchte Felips nach eindeutigen Merkmalen. Glücklicherweise ließ das Tier die Prozedur klaglos über sich ergehen. Dann blickte Felips auf. "Es ist ein Mädchen." "Tja, dann denk dir mal einen schönen Frauennamen aus.", grinste Algon.

Felips überlegte einen Moment. "Ich werde dich Meldis - Freundin - nennen."
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« Antwort #4 am: 14. Juli 2003, 17:34:44 »
Erstaunt blickte Felips seine beiden Freunde an, die sich vor Lachen krümmten. "Was ist? Gefällt euch der Name nicht?", fragte er verletzt. Algon schnappte nach Luft. "Teslin, sag du es ihm. Ich kann nicht." Lachend hielt er sich den Bauch. Teslin wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel. "Oh Mann, überleg doch mal. Was werden die Leute sagen? Ich kann es mir schon ausmalen. 'Felips´ "Freundin" ist ein Baummännchen' wird es heißen. Denk nochmal drüber nach, Felips. Das kann nicht gut gehen." Ärgerlich dachte Felips einen Moment nach. "Gut, vielleicht habt ihr Recht. Was haltet ihr von Tiriel ? "wachsam"?" Algon blickte etwas zweifelnd das zusammengekauerte Pelzknäuel an. "Naja, wachsam..." "Das wird schon noch. Sie hat im Moment einfach noch Angst. Kein Wunder, wenn sie euch so sieht. Ich erschrecke mich auch ständig, wenn ich euch angucke."

Zufrieden, dass seine Freunde keine weiteren Widerworte gaben, kraulte Felips das kleine Baummännchen hinter den Ohren. "Sag mal, woher hast du denn eigentlich 23 Goldstücke?", fragte Teslin den Eldritch. Felips zuckte mit den Achseln. "Von meinem Vater. Ich sagte doch schon, dass er ein Viehhändler ist... ein sehr erfolgreicher Viehhändler. Er hat mir ein gewisses Startkapital für meine magischen Studien geschenkt..." Er schaute auf Tiriel herab. "Naja, im weitesten Sinne könnte man sagen, dass sie auch mit meinen Studien zu tun hat." Er grinste. "Na dann, du Krösus. Dann kannst du uns ja auch an dem Weinstand dort vorne einen ausgeben", forderte Algon. Großmütig antwortete Felips: "Also gut, ihr armen Wichte. Ausnahmsweise lade ich euch zu einem Becher Wein ein. Ich habe heute meinen spendablen Tag."

Aus einem Becher wurden zwei und schließlich noch ein dritter. Die Stimmung der Drei wurde zunehmend lockerer.

"Das war ja klar, dass ich euch hier finde!" Die drei jungen Templer fuhren herum. Hinter ihnen stand Taleea, die Waldläuferin mit verschränkten Armen und einem ironischen Grinsen im Gesicht. "Was ist? Wollt ihr mich nicht auch einladen?" Lachend begrüßten sie die junge Frau. Nach einem weiteren Becher Wein zogen sie beschwingt und leicht angetrunken weiter. Gemeinsam begutachteten sie die auf dem Markt angebotenen Waren. Taleea hatte ihren Spaß daran, Händler in harte Verkaufsverhandlungen zu verwickeln, um dann am Ende doch nichts zu kaufen. Als sich der Abend über Tir na nÓg senkte, aßen die Vier an einem Stand etwas und schauten den Kaufleuten zu, die allmählich ihre Verkaufsstände zusammenräumten und abbauten. Entzückt spielte Taleea mit der kleinen Tiriel, die allmählich ihre Scheu ablegte und die relative Freiheit genoss, die sich ihr bot, seit sie aus dem engen Käfig heraus war. "Äpfel mag sie schon mal", verkündete die Waldläuferin und fütterte das Tier mit einem Apfel, den sie an einem Obststand hatte mitgehen lassen. Algon hatte nicht gesehen, dass sie dafür bezahlt hätte. Nervös schaute er sich um, aber offenbar hatte niemand die kleine Dieberei bemerkt. "Irgendwie erinnert sie mich an einen Käferbär. Aber sie ist viel niedlicher." "Was ist ein Käferbär?", fragte Teslin, der von diesem Tier das erste Mal hörte. "Die gibt es auf der Insel Hy Brasil. Sie sehen ganz nett aus, sind aber gemeine Viecher und sehr aggressiv. Ich habe mal einen gesehen, den sie in einem Käfig in Domnann ausgestellt haben. Groß wie ein Firbolg. Und wirklich böse." "Du warst schon mal in Domnann?" "Ja, meine Eltern sind nach der Entdeckung der Insel dort hin gezogen. Ich habe sie jetzt schon ein paar Mal dort besucht.", antworte Taleea auf Algons Frage.

Mit dem für sie typischen Hang zu kleineren oder auch mal größeren Übertreibungen schilderte Taleea den anderen das Leben in der seltsamen Baumstadt des Hains von Domnann, der Hauptstadt der Insel Hy Brasil, die erst vor kurzer Zeit entdeckt worden war und seitdem ein enges Bündnis mit Hibernia eingegangen war.

Während Taleea erzählte, wanderten die 4 gemütlich weiter und kamen schließlich zu einer Bude, vor der sich zahlreiche Zuschauer versammelt hatten. Vor der Bude war eine Art kleiner Bühne aufgebaut, auf der sich den Zuschauern ein groteskes Schauspiel bot. Ein als Midgarder Zwergin verkleideter Lurikeen wurde bedrängt von einem Firbolg, der den berühmt-berüchtigten Gletscherriesen darstellen sollte, der in den Grenzgebieten Midgards sein Unwesen trieb. Dieser Riese, eines der gigantischten Lebewesen in allen bekannten Reichen, war in dem dargebrachten Schauspiel in rasende Liebe zu der Zwergin verfallen und machte ihr nun erotische Avancen. Dabei spielte ihr Körpergeruch - eines der beliebten und immer wieder gern hervorgeholten Vorurteile aller Hibernianer gegenüber den Bewohnern Midgards - eine besondere Rolle. Die beiden Schauspieler lösten bei den Zuschauern schallende Lachsalven aus, als sie darstellen, wie die Zwergin den absurden Liebesbeweisen des Gletscherriesen zu entgehen versuchte - zum Beispiel halbierten Yetis.

Algon und die anderen amüsierten sich köstlich. Und nicht weit entfernt geschah ein grauenhafter Mord.

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« Antwort #5 am: 16. Juli 2003, 17:58:09 »
Als sich der schmuddelige Vorhang vor der kleinen Bühne senkte und die Schauspieler sich unter tosendem Applaus der Zuschauer verabschiedet hatten, schlenderten die drei jungen Templer und Taleea weiter. "Gehen wir auf ein Ale ins Grab?", fragte die Waldläuferin. Algon, der sich noch zu gut an die Kopfschmerzen als Folge des letzten Besuchs im "Grab Bag Inn" erinnerte, schauderte. "Ihr Götter, nicht schon wieder." Auch die Begeisterung der anderen beiden ließ zu wünschen übrig. "Ihr müsst ja nicht so viel trinken, wenn ihr das nicht vertragt", lachte Taleea spöttisch. Das Ergebnis der kurzen Diskussion war das, was man erwarten konnte, wenn eine schöne Frau drei junge Männer bei ihrer Ehre packt: Taleaa führte die Templer mit einem kaum verborgenen triumphierenden Grinsen im Gesicht in Richtung des "Grab Bag Inn".

Sie bogen gerade in die Straße der Fernhändler ein, in der sich ein herrschaftliches Haus an das nächste reihte, als sie nicht weit vor sich entsetzte Schreie hörten. Erschrocken schauten sie sich an. Dann begannen sie in Richtung der Schreie zu laufen. Hinter einer scharfen Rechtskurve rannten sie beinahe in eine dichte Menschenmenge, die sich dort vor einem großen, villenähnlichen Gebäude versammelt hatte. Verängstigte und erschrocken wirkende Bürger unterschiedlichster Rassen drängten sich vor der breiten Freitreppe, die zum Haupteingang des Hauses empor führte. "Was ist los?", wollte Taleea wissen. "Keine Ahnung. Ich kann nichts erkennen.", antwortete Algon und drängte sich durch die Menge, um einen Blick auf den Anlass des Aufruhrs zu werfen. Als er sich in die vorderste Reihe gezwängt hatte und ein freies Blickfeld hatte, wünschte er sich fast, er hätte das nicht getan und wäre an dem Auflauf vorbeigegangen. Ein Würgen schnürte ihm den Hals zu. Dennoch konnte er den Blick nicht von dem grauenhaften Bild abwenden, dass sich vor ihm ausbreitete.

Eine Frau, offenbar eine Elfin, lag mit ausbreiteten Gliedern auf der Treppe. Ihre leeren Augenhöhlen starrten blicklos in den dunklen Nachthimmel. Die Augäpfel waren offenbar herausgedrückt worden. Noch viel schlimmer war jedoch der Anblick ihres Körpers. Sie war regelrecht ausgeweidet worden. Auf entsetzliche Weise war ihr Unterleib aufgerissen worden, die inneren Organe lagen um sie herum säuberlich ausgebreitet. "Kein Blut!", schoss es Algon durch den Kopf, als er voll Entsetzen auf die Tote blickte. Dann drang der Gedanke zu ihm durch. Er schaute genauer hin. Tatsächlich konnte er auf den Treppenstufen, auf denen die Frau lag, praktisch keinen Blutstropfen entdecken. Eine morbide Neugier erfasste ihn. Er trat näher an die Leiche heran. Ohne die Tote zu berühren, suchte er mit seinen Blicken den Schauplatz des Verbrechens ab. Obwohl ihm Galle im Hals stand, schaute er sich die Organe genauer an. Sie bildeten fast eine Art Muster, einen Kreis, so, wie sie um den Körper herum drapiert worden waren. Dann fiel sein Blick auf den Hals der Elfin. Etwas glitzerte dort. Er schaute genauer hin. Eine dünne Goldkette hing um den Hals der Frau, daran war ein winziges, goldenes Amulett befestigt. Es zeigte zwei Hände, die schützend über einem Baum zusammengelegt waren, fast betend. Der Baum, wurde ihm klar, das war der Lebensbaum Hibernias, das traditionelle Reichswappen.

Er trat zurück. "Wer ist das?", fragte er einen der Umstehenden. "Das ist die Lady Arina. Die Zunftmeisterin der Fernhändlerzunft. Was für ein Grauen!" Selbst Algon hatte von Lady Arina schon gehört. Sie war eine der wirtschaftlich einflussreichsten Persönlichkeiten in Hibernia... gewesen.

"Zur Seite! Zur Seite! Geht aus dem Weg!" Mit lauten Rufen drängten sich zahlreiche Angehörige der Reichswache durch die Menge. Innerhalb kurzer Zeit hatten sie den Tatort abgeriegelt und drängten die Schaulustigen zurück. Algon kehrte zu seinen Freunden zurück, die zwar aus den Gesprächen der Umstehenden erfahren hatten, was passiert war, aber selbst nichts hatten erkennen können. Algon wehrte ihre Fragen ab. "Später, später. Jetzt brauche ich wirklich etwas zu trinken." Er schüttelte sich und versuchte, sein Entsetzen abzustreifen.

Aber es gelang ihm nicht.

******
Der Mann im dunklen Mantel ließ sich widerstandslos von einer Wache beiseite schieben. Er hatte gesehen, was er hatte sehen wollen. Das nächste Kapitel war aufgeschlagen worden. Mit einem leichten Lächeln blickte er den vier Freunden hinterher, die langsam in Richtung ihrer Stammkneipe verschwanden. Er nickte sich selbst zu. Seine Einschätzung war mal wieder richtig gewesen. Die Saat der Neugier war gesät. Schon bald würde sie aufgehen.

Und das Rad der Ereignisse begann sich schneller zu drehen.

******

Er war in die düsteren Schatten zurückgekehrt und war bald darauf auf dem Sarkophag in eine Art traumlosen Schlaf verfallen. Sein Hunger war gestillt. Vorerst.

Weit über dem finsteren Gang, in dem er lag, löschte die letzte verbliebene Gestalt das Feuerbecken in der Mitte des Ritualkreises. Die Gestalt war erschöpft und müde von den stundenlangen Ritualen und Zaubern, aber ein finsteres Triumphgefühl erfüllte sie. Wieder war eine Feindin der Wahren Bestimmung zugrunde gegangen.

Gedankenverloren streichelte die Gestalt die Brosche, die ihren langen Mantel zusammenhielt. Die kleinen, unfassbar wertvollen Edelsteine, mit denen sie besetzt war, blitzten im Schein der letzten Öllampe, die noch flackernd den Raum erhellte. Für einen Moment schien es fast, als ob das Pferd und seine Reiterin, deren Form die Edelsteine bildeten, zu einem Sprung zu den glitzernden Sternen abheben wollten. Dann löschte die Gestalt auch die Öllampe und schloss die Tür zum Zimmer hinter sich.

Der Raum der finsteren Rituale versank in Dunkelheit.

Bis zum nächsten Mal.

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #6 am: 18. Juli 2003, 17:27:00 »
Unruhig wälzte sich Algon auf seinem Bett hin und her, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Immer wieder erschien das Bild der ermordeten Elfin vor seinem inneren Auge. Wer konnte so etwas Furchtbares tun? Diese Frage hatten er und die drei anderen sich immer und immer wieder gestellt, nachdem sie den Ort des Geschehens verlassen hatten und im "Grab Bag Inn" eingekehrt waren. Die Stimmung war gedrückt gewesen. Das Gespräch drehte sich um den Mord. Offenbar hatten auch viele andere Gäste inzwischen davon gehört, so dass das Verbrechen das Tagesgespräch im "Grab" war. Schließlich waren die Vier aufgebrochen. Obwohl Taleea dagegen zunächst energisch protestiert hatte, hatten die drei Templer sie zu der Herberge, in der sie übernachtete, begleitet. Man konnte ja nicht wissen...

Anschließend waren Algon, Teslin und Felips in die Ordensfeste der Dunklen Templer zurückgekehrt. Und nun lag Algon in der Dunkelheit und starrte an die Decke seiner kleinen Kammer. Seine Gedanken kreisten um das, was er gesehen hatte. Dabei kam er immer wieder auf das merkwürdige goldene Amulett zurück, das an der Kette um den Hals der Elfin befestigt war. Er war sich fast sicher, dass es nicht magisch gewesen war, auch wenn er selbst über keine magischen Fähigkeiten verfügte. Und doch schien es ihm mehr gewesen zu sein als ein einfaches Schmuckstück. Irgendeine besondere Bedeutung hatte es, da war er fast sicher. Aber welche? Auch von seinen drei Freunden kannte niemand das Symbol der schützenden Hände über dem Lebensbaum Hibernias.

Mit einem Seufzer erhob sich Algon. Einschlafen würde er wohl nicht mehr. Er warf sich eine einfache graue Robe über und verließ sein Zimmer. Nachdenklich und ziellos wanderte er durch die nur schwach erhellten Gänge des Wohntraktes der Ordensfeste. Als er um eine Ecke bog, lief er in Großmeister Jacub hinein, einen der Anführer des Ordens der Dunklen Templer. "Oh, verzeiht bitte, Euer Eminenz.", stotterte Algon. Der Großmeister, der in tiefschwarze Gewänder gehüllt war, wie sie zu einem Angehörigen der Klasse der Nachtschatten besonders passend waren, schaute ihn überrascht an. "Algon, was machst du denn um diese Zeit hier? Kannst du nicht schlafen?" Algon schüttelte den Kopf. "Nein, Euer Eminenz." Der Nachtschatten schaute ihn prüfend an. "Hm, was ist los?" Der junge Fian seufzte. "Ihr habt von dem Mord an Lady Arina gehört?" Großmeister Jacub nickte. "Ja, das habe ich. Furchtbare Sache." Algon berichtete, wie sie zum Tatort des Mordes gekommen waren und was sie dort vorgefunden hatten. Bei der Beschreibung der Art und Weise, wie die Leiche auf den Treppen der Villa positioniert worden war, schaute ihn Großmeister Jacub überrascht an. "Bist du sicher, dass die Leiche genauso dort gelegen hat?" Algon nickte. "Ja, ich habe es selbst gesehen." Der Nachtschatten runzelte nachdenklich die Stirn. "Hm, merkwürdig." "Wieso?", wagte Algon zu fragen. Großmeister Jacub schürzte die Lippen und lehnte sich an die Wand. Dann schaute er Algon an. "Weil es vor ein paar Wochen in Mag Mell auch einen Mord gegeben hat. Deine Beschreibung erinnert mich stark daran, was ich über jenes Verbrechen gehört habe." Er lächelte finster. "Ich habe ein gewisses... professionelles Interesse an diesen Dingen." "Wisst Ihr zufällig, ob das Opfer in Mag Mell auch ein goldenes Amulett um den Hals trug?", brach es aus Algon heraus. "Was für ein Amulett?" Algon beschrieb das Amulett der Elfin in allen Einzelheiten. Großmeister Jacub schüttelte den Kopf. "Nein, davon habe ich nichts gehört. Das Symbol sagt mir auch gar nichts..." Nach kurzem Nachdenken packte er Algon an der Schulter. "Komm mit!" Er eilte den Gang entlang und zog Algon dabei mit sich. "Wohin gehen wir?", fragte der etwas erschrocken vom plötzlichen Eifer des Großmeisters. "Zu Großmeister Phadric. Er kennt sich mit geheimen Symbolen und dergleichen besser aus als ich. Vielleicht hat er von deinem Amulett schon mal gehört."

Nach einiger Zeit kamen die beiden zu einer Tür am Ende eines Ganges. Jacub klopfte scharf dagegen. "Phadric! Phadric, mach auf! Ich bin es, Jacub. Na los, nun öffne schon!" Hinter der Tür war eine grummelnde Stimme zu hören. Schließlich öffnete sich die Tür ein wenig und der Lurikeen-Nachtschatten Phadric schaute mit zerknittertem Gesicht durch den Spalt. Verschlafen gähnte der kleine Großmeister den anderen Nachtschatten an. "Jacub. Was, bei allen Göttern, willst du um diese Zeit hier?" "Los, Phadric, lass uns rein, wir müssen etwas mit dir besprechen." Phadric verzog den Mund, öffnete aber die Tür. "Hmpf, kommt rein." Jacub und Algon betraten das spärlich möblierte Gemach des Nachtschattens. An den Wänden des Zimmers hingen zahlreiche Stich und Schnittwaffen. Ein großer, massiver Schrank dominierte den Raum. "Darin bewahrt Phadric seine Gifte auf.", bemerkte Jacub, als er Algons Blick sah.

"Also, was wollt ihr?" Phadric bedeutete ihnen, sich auf zwei harte Holzstühle zu setzen, während er selbst sich auf sein Bett hockte. "Von dem Mord an Lady Arina hast du gehört?" Phadric nickte. Großmeister Jacub wies Algon an, von den Einzelheiten des Verbrechens, die er am Tatort gesehen hatte, zu berichten. Als er fertig war, fuhr Jacub fort: "Erinnert dich das nicht an den Mord neulich in Mag Mell? Der Mord, über den der alte Fagan so erzürnt gewesen sein soll?" Phadric nickte nachdenklich. "Ja, aber von einem Amulett habe ich bei dem Toten von Mag Mell nichts gehört." "Sagt dir denn das Symbol mit den Händen und dem Baum etwas?"" fragte Großmeister Jacub. ""Hm, nein, nicht wirklich. Obwohl... irgendwo in meinem Hinterkopf läutet eine Glocke, wenn ich die Beschreibung höre. So, als ob ich davon schon irgendwann einmal etwas gehört oder gelesen hätte. Aber ich kann mich absolut nicht mehr daran erinnern, wo das gewesen sein könnte."

Eine Weile diskutierten die beiden Nachtschatten über die Ähnlichkeit der beiden Morde und das Symbol auf dem Amulett der Elfin, allerdings ohne Ergebnis.

Schließlich meinte Großmeister Jacub: "In Ordnung. Heute kommen wir nicht weiter. Ich schlage vor, dass du morgen nochmal guckst, ob du etwas über das Symbol herausbekommst, Phadric. Ich werde mich mal mit meinen Bekannten in Mag Mell unterhalten, ob sie etwas darüber wissen, ob das Mordopfer dort auch so ein Amulett getragen hat." "Und was soll ich tun?", fragte Algon. "Komm morgen Abend mit Großmeister Phadric in mein Zimmer. Dort unterhalten wir uns weiter. Ansonsten bewahre bitte für den Moment Stillschweigen." Algon nickte.

Als er einige Minuten später wieder auf seinem Bett lag, fasste er einen Entschluss. Einen Entschluss, den er noch oft bereuen würde.

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #7 am: 21. Juli 2003, 17:43:56 »
"Du bist verrückt, Algon. Das ist Aufgabe der Reichswache." Teslin schüttelte ärgerlich den Kopf. "Den Morden nachgehen... Also wirklich. Überlass das den Leuten, die sich damit auskennen!" Doch Algon blieb stur. "Tut mir leid, Teslin, aber ich habe mich entschieden. Ich kann das nicht so auf sich beruhen lassen. Und die Reichswache hat bisher auch nichts herausgefunden. Also sind die auch nicht so toll und allwissend. Außerdem ist das doch wirklich einmal spannend. Also, helft ihr mir?"

Felips löffelte nachdenklich seine Hafergrütze. Der Speisesaal der Ordensfeste war um diese Morgenstunde gut gefüllt und die drei jungen Templer hatten sich an einen Tisch in einer Ecke des Saals zurückgezogen, um ungestört reden zu können. Der kleine Eldritch leckte den Löffel ab und lehnte sich zurück. Mit einem Stück Apfel fütterte er das kleine Baummännchen Tiriel, die sich zufrieden auf seinem Schoß räkelte. Während er zusah, wie sie behände mit ihren kleinen Pfoten das Apfelstück drehte, um es rundherum immer weiter abzunagen, sagte er: "Gut, Algon, ich werde dir helfen. Aber nur, weil ich glaube, dass da draußen etwas wirklich Schlimmes geschieht. Ich habe eine äußerst bösartige Präsenz gespürt... oder besser gesagt, die Reste einer sehr bösartigen Aura. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Ich habe so etwas zuvor noch nie gefühlt. Aber diese Aura verblasste sehr schnell. Ich glaube kaum, dass die Magier der Reichswache noch etwas bemerkt haben, als sie schließlich zum Tatort kamen."

"Und du, Teslin? Wirst du uns auch helfen?" Der Elf nickte zögernd und wenig überzeugt. "Nun gut. Aber nur, weil man euch beiden nicht allein lassen kann. Irgendwer muss ja auf euch aufpassen." "Dann haben wir ja Glück, dass du dabei bist.", meinte Felips spöttelnd. Algon legte ihm die Hand auf den Arm. "Lass ihn, Felips. Ich freue mich wirklich, dass ihr mir helft."

"Erzähl nochmal von diesem Mord in Mag Mell, Algon. Was weißt du davon?" Algon zuckte mit den Schultern. "Bislang herzlich wenig." In kurzen Worten berichtete er von dem, was Großmeister Jacub erzählt hatte. "Hmmm", Teslin verschränkte die Arme und lehnte sich zurück. "Da gibt es tatsächlich Ähnlichkeiten. Aber so lange wir nicht mehr wissen, können wir nicht davon ausgehen, dass es sich wirklich um den selben Täter handelt." "Das stimmt.", entgegnete Algon. "Vielleicht erfahre ich noch mehr, aber ich würde dich bitte, Teslin, dich einmal in Mag Mell umzuhören. Vielleicht kannst du noch etwas in Erfahrung bringen." Der Elf zuckte mit den Schultern. "Na gut, lass ich die Waffenübungen heute eben ausfallen und gehe nach Mag Mell. Ist ja nicht weit. Ich werde mich mal umhören." "Was soll ich tun?" Felips setzte sich Tiriel auf die Schultern. "Du könntest dieser bösartigen Aura nachgehen. Vielleicht kannst du dazu etwas herausbekommen." Der Eldritch nickte. "Ich werde mich mal mit ein paar unserer Magier unterhalten. Vielleicht finde ich etwas dazu heraus."

Algon stellte die Schüsseln zusammen, aus denen sie ihr Frühstück eingenommen hatten. "Ich werde mich mal in der Stadt umhören. Vielleicht bekomme ich heraus, ob Lady Arina irgendwelche Feinde hatte, oder ob sonst jemand einen Grund gehabt hat, sie zu beseitigen. Wir treffen uns heute Abend im "Grab". Taleea wird wohl auch kommen. Mal sehen, ob der noch was dazu einfällt."

Die Drei erhoben sich und brachten das Geschirr zurück zur Küchendurchreiche. Dann verabschiedeten sie sich voneinander und brachen auf, um sich ihren selbst gestellten Aufgaben zu widmen.

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Die Gestalt hinter dem großen Schreibtisch fluchte leise und stieß eine gräuliche Verwünschung aus, die den Mann im dunklen Mantel, der vor dem Schreibtisch kauerte, erschaudern ließ. "Verstehen die Hunde die Warnungen etwa nicht?", zischte die Gestalt. "Ist ihnen das Schicksal dieses Weibstücks nicht Abschreckung genug?" Der Mann wagte es, seinen Blick zu erheben und schaute in die vor Wut blitzenden Augen seines Gegenübers. "Offenbar sind sie jetzt noch mehr entschlossen, die Anhänger der Wahren Bestimmung in die Ecke zu treiben, oh Ehrwürdiger. Wenn die Gerüchte stimmen, so wollen sie ihre Marionetten im Hohen Rat Hibernias dazu bringen, nach dem Verbleib bestimmter Gelder zu fragen." Erschrocken sprang er zurück, als die Gestalt mit furchtbarem Zorn auf den Schreibtisch haute. "Sie werden lästig, sie werden extrem lästig!" Die Gestalt in der dunkelroten Robe lehnte sich in ihrem schweren, ledergepolsterten Sessel zurück. "Sie werden dafür bezahlen. Schon bald wird der Hunger unseres Freundes zurückkehren. Dann werden sie meine Rache zu spüren bekommen. Sie haben ihre Warnungen erhalten. Wenn sie darauf nicht hören wollen... ihr Pech. Wer ist derjenige, der uns da besonders zur Last fällt?" "Wenn das, was ich von meinen Quellen höre, stimmt, dann ist das Amero Angari oh Ehrwürdiger." Die Gestalt war überrascht. "Der Zweite der Fianschule? Ich hätte nicht gedacht, dass er zu dieser verdammten Gemeinschaft gehört. Er machte mir immer eher einen lethargischen Eindruck. Irrst du dich auch nicht?" Der Mann im dunklen Mantel fing leicht an zu schwitzen. "Ehrwürdiger, ich kann nur das weitergeben, was verschiedene Quellen berichten. Ihr wisst ja, wie schwer ihre Reihen zu infiltrieren sind. Ich versuche, die Informationen der Quellen auszuwerten und zu entscheiden, ob sie zuverlässig sind. Manche sind sehr zuverlässig, andere weniger. Aber in diesem Fall sind sie sich weitgehend einig, deshalb neige ich zu der Annahme, dass sie zutreffen." Er verbeugte sich leicht.

Die Gestalt verharrte eine Weile bewegungslos und versank in düsteres Brüten. Der Mann vor dem Schreibtisch wartete. Er war es gewohnt zu warten.

Schließlich räusperte sich die Gestalt. "Amero Angari wird sterben."

******

Als der Mann im dunklen Mantel das Zimmer verließ, umspielte ein leichtes Lächeln seine Lippen. Alles verlief nach Plan.

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"Herein!" Die leise Stimme ließ Felips einen Moment lang zögern. Dann öffnete er die schwere Tür, an die er zuvor geklopft hatte. Der Raum, den er betrat, war trotz der frühen Tageszeit ziemlich dunkel. Ein nur leicht lichtdurchlässiger Vorhang hing vor dem einzigen kleinen Fenster, so dass nur sehr wenig schummriges Tageslicht in das Zimmer trat. Einen Moment lang war Felips irritiert, dann erst sah er die Besitzerin des Zimmers in einer Ecke des Raumes auf dem Boden hocken. Offenbar hatte sie dort meditiert.

"Verzeiht die Störung, Meisterin Carista. Mein Name ist Felips und ich..." "Ja, ich weiß, Felips, ich kenne dich. Nur, weil ich nur selten an den offiziellen Aktivitäten der Gilde teilnehme, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht über alles Wichtige informiert bin." Sie lächelte leicht. "Setz dich zu mir!" Gehorsam ließ sich Felips ihr gegenüber auf dem nackten Steinfußboden nieder. "Das ist aber eine süße Kleine." Tiriel, die schon seit sie auf Felips Schulter in den Raum gekommen war, ungewohnt still und gespannt war, gab leise, fiepsende Töne von sich. Dann sprang sie überraschend von Felips Schulter in den Schoß der Mentalistin. Dort saß sie ganz ruhig und blickte die Frau gebannt an. Carista, eine der wenigen großen Mentalistinnen der Dunklen Templer schaute ihr in die Augen und konzentrierte sich. "Sie ist ein reizendes kleines Geschöpf und voller Vertrauen", sagte sie schließlich. Felips nickte. "Ja, Meisterin. Das ist sie." "Sie wird noch viel Freude verbreiten." Felips nickte.

"Was möchtest du, junger Eldritch?" Felips runzelte die Stirn und konzentrierte sich. "Meisterin Carista, ich weiß nicht, ob ich mein Anliegen so schildern kann, dass Ihr es versteht. Es ist sehr schwer für mich. Und ich weiß auch nicht, ob Ihr überhaupt die Richtige seid..." "Das entscheiden wir später. Nun erzähl erst einmal, was du möchtest."

"Habt Ihr von dem Mord an Lady Arina gehört?" "Wer hat das nicht?", antwortete die Mentalistin. Felips schilderte, wie er und die anderen zum Tatort gekommen waren und was sie dort vorgefunden hatten. Bei der Beschreibung der bösartigen Aura, die er glaubte gespürt zu haben, geriet sein Bericht ins stocken. "Warte, Felips. Berichte nochmal, wie genau sich das, was du Aura nennst, angefühlt hat." Der junge Eldritch überlegte. "Es war... fremd. Sehr fremd. Irgendwie ja....seelenlos, würde ich sagen. Ungeheuer bösartig. Es hinterließ in meinem Mund fast eine Art fauligen Geschmack. Ich weiß nicht, wie ich es noch genauer sagen soll." Die Mentalistin schaute nachdenklich das kleine Baummännchen in ihrem Schoß an.

"Bist du jemals im Abgrund der Finsternis gewesen, Felips?" "Nein, Meisterin, noch nicht. Man hat mich immer gewarnt, dass ich darauf noch nicht vorbereitet sei." Carista nickte. "Das mag sein. Aber du solltest darüber nachdenken, dort einmal mit einer Gruppe erfahrener Templer hinzugehen. Das, was du beschreibst, habe ich nur dort schon einmal gespürt. Vielleicht findest du dort eine Antwort auf deine Frage."

Felips schauderte. Der Abgrund der Finsternis. Das düsterste Verließ in allen bekannten Reichen. Erbittert umkämpft zwischen Hibernia, Midgard und Albion. Und bewohnt und beherrscht von furchtbaren Dämonen.

Und er sollte dort hin gehen. Sorgenvoll blickte der Tiriel an, die sich im Schoß der Mentalistin räkelte.

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #8 am: 23. Juli 2003, 18:00:24 »
Teslin genoss den strahlenden Sonnenschein über den Hügeln, die sich zwischen dem Osttor von Tir na nÓg und der kleinen Stadt Mag Mell erstreckten. Gemütlich pfeifend wanderte er über die Hänge und konnte schon von weitem die Spitzen der beiden hohen Wachtürme sehen, die sich über Mag Mell erhoben. Mag Mell ? "Ebene der Freude" ? was ein merkwürdiger Name für eine Stadt, die nach der Legende das Heim der Verstorbenen sein sollte. Ob der erste Mord wegen dieser uralten Legende in Mag Mell verübt worden war, grübelte Teslin. Als er näher kam, machte der Ort jedoch alles andere als einen "ausgestorbenen" Eindruck.

Dicht an dicht drängten sich zahlreiche Bürger und Besucher auf dem Platz vor dem großen Palast des alten Lord Fagan oder an den zahlreichen Verkaufsständen, an denen Waffen, Rüstungen und vieles mehr angeboten wurde. Der berühmte Brunnen vor den hohen Treppen, die zum Eingang des Palastes empor führten, war von vielen Menschen, Elfen, Lurikeen und anderen umlagert. Zum Teil handelte es sich um Bittsteller, die darauf warteten zu Lord Fagan vorgelassen zu werden, zum Teil waren es aber auch junge Adepten der verschiedensten Künste, die in Mag Mell ihre Ausbildung begannen. Teslin fühlte sich fast als alter Veteran, als er in die jugendlichen Gesichter der Versammelten blickte, die eine Mischung aus Unsicherheit und hoffnungsvoller Erwartung widerspiegelten. Mag Mell war schon immer der Ausgangspunkt für viele erfolgreiche Karrieren gewesen.

"Habt Ihr eventuell ein paar Goldstücke für einen Nachwuchsbeschwörer übrig?" Teslin fuhr herum. Ein junger Elf stand mit bettelndem Blick vor ihm. "Habt Ihr zufällig alte Waffen, die Ihr nicht mehr braucht?" Ein Firbolg drängte sich mit gierigem Blick heran. "Könnt Ihr Verstärkungszauber auf mich sprechen, bitte?" Plötzlich war Teslin umlagert von einer Gruppe junger Adepten, die ihn anbettelten, um Waffen, Rüstungsteile, magische Gegenstände oder Tränke flehten. Er fluchte. Das hatte er vergessen. Mag Mell war nicht nur der Treffpunkt zahlreicher Nachwuchsmagier und -krieger, sondern auch Vieler, die nicht den harten Weg beschreiten wollten, den er selbst und viele andere gegangen waren. Ein Weg, bei dem man jedes Kupferstück und jede noch so rostige Waffe mühsam selbst erringen musste. Die Bettler und Schnorrer wollten es sich einfach machen und von den Früchten anderer Leute Arbeit profitieren.

Teslin schnaubte verächtlich und bahnte sich einen Weg durch die ihn umlagernden Adepten. Nicht mit ihm. Sollten sie ihn doch arrogant nennen. "Habt Ihr keinen Stolz?", knurrte er und ließ die Bettler hinter sich. Die wütenden Bemerkungen der Gruppe ließen ihn kalt.

Schließlich kam er zum Brunnen vor dem Palast. Eine Weile setzte er sich an den Rand und spielte mit einer Hand im Wasser. Wo sollte er mit seinen Nachforschungen anfangen? Seine Informationen waren doch sehr dünn.

Schließlich sah er eine Wächterin an einem der beiden Wachtürme stehen. Nachdenklich beobachtete er den weiblichen Firbolg. Gelangweilt stand die Wächterin im Schatten des hohen, schlanken Turmes. Teslin stand auf und schlenderte gemächlich in ihre Richtung. In ihrer Nähe blieb er stehen und beobachtete das Durcheinander vor dem Palast.

Mit unschuldigem Gesicht fragte er die Wächterin: "Ist das hier immer so?" Die Firbolg-Kriegerin blickte spöttisch auf die zahlreichen jungen Adepten, die unorganisiert umherliefen. "Ja, jeden Tag. Mal gibt's mehr von ihnen, mal weniger. Ha, wenn sie wüssten, dass nur die wenigsten von ihnen ihre ersten Tage als "Abenteurer" überleben werden..." Teslin nickte. "Viel passiert hier wohl nicht, oder?" Damit hatte er einen wunden Punkt der Wächterin getroffen, denn sie begann ein Klagelied darüber, wie langweilig ihre Aufgabe sei. Nach kurzer Zeit ging Teslin die Jammerei schon auf die Nerven, aber er bemühte sich, auch weiterhin eine interessierte Miene zu zeigen.

"Aber gab es nicht neulich mal einen furchtbaren Mord hier?", unterbrach er ihren Redeschwall über endlose, ereignislose Wachrunden. "Erinnere mich nicht daran. Das war eine schlimme Sache." Schadenfroh grinste sie. "Seit der Zeit reinigt Mephlen, mein ehemaliger Wachführer, die Ställe von Lord Fagan." "Wieso das?", fragte Teslin. "Weil es ihm nicht gelungen ist, den Mord aufzuklären. Der arrogante Esel. Hat jahrelang den großen Mann hier markiert und wenn es dann mal ernst wird, ist er ganz winzig und weiß nicht weiter." "Warst du denn bei den Untersuchungen des Mordes dabei?" Die Wächterin schüttelte den Kopf. "Nein, das war Aufgabe der anderen Wachschar. Wir hier bekommen immer nur die langweiligen Aufgaben..." Damit begann sie wieder, über ihre unerträglich ereignislose Arbeit zu erzählen.

Teslin, den die Jammerei anödete und der alles von der Wächterin erfahren hatte, was diese über den Mord wusste, machte sich mit einer lahmen Entschuldigung davon und begab sich auf die Suche nach den Ställen Lord Fagans.

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #9 am: 24. Juli 2003, 18:26:44 »
Als Algon den kleinen Garten betrat, klimperte der Barde gerade gedankenverloren auf einer Laute. Er saß auf einer steinernen Bank im Schatten eines der wenigen hohen Bäume der Anlage. Der Garten bildete eine kleine grüne Oase in der Ordensfeste, die ansonsten eher den Eindruck einer verteidigungsbereiten Burg machte, wenn auch einer mit architektonischen Besonderheiten. Algon räusperte sich. "Meister Chad?" Der Barde hob den Blick und schaute Algon an. "Pling". Der keltische Barde zupfte an einer Saite, offenbar ein Zeichen, dass er Algon zur Kenntnis genommen hatte. "Äh, Meister Chad, darf ich euch eine Frage stellen?" "Pling". Wieder zupfte der Barde an der Saite. Irritiert runzelte Algon die Stirn. Dann nahm er die Reaktion des Sängers als Zeichen, dass er fortfahren durfte.

Er zuckte mit den Schultern und setzte sich zu dem Barden auf die Bank, was Chad mit einem ironischen Lächeln quittierte. "Entschuldigt, wenn ich Euch gestört habe, Meister Chad, aber ich habe mich gefragt, ob Ihr mir vielleicht bei der Beantwortung einer Frage helfen könnt, die mich umtreibt, da Ihr ja jemand seid, der sehr viel hört und sieht von dem, was so in der Stadt geschieht."

Chad lachte leise und klimperte auf seiner Laute.

"Was sucht und forscht und lauscht und hört?
Was nagt, treibt an, verwirrt und stört?
Was ist das wohl? Ich sag' es dir.
Es ist - du ahnst's - die Neuegier."

Der Barde stockte und runzelte die Stirn. "Hm... Neuegier... da muss ich wohl noch dran feilen." Algon grinste ihn an.

"Also, junger Fian, was kann ich für dich tun?"

Algon wurde wieder ernst. "Ich wollte Euch fragen, ob Ihr vielleicht etwas zum Tod von Lady Arina gehört habt." Nachdenklich stimmte Chad seine Laute. "Nun ja. Eine Menge Gerüchte schwirren durch die Stadt. Wilde Verschwörungstheorien machen die Runde. Kein Wunder, wenn so eine prominente Persönlichkeit auf so eine Art und Weise vom Leben zum Tode befördert wird."

"Was für Theorien?" "Zum Teil solche, die wirklich abstrus sind, zum Teil solche, die sich fast so anhören, als ob sie wahr sein könnten. Manche behaupten, Agenten unserer Feinde aus Albion oder Midgard hätten den Mord begangen, um unseren Handel zu stören. Andere sagen, Gegner aus der Zunft der Fernhändler hätten sie ermordet, um alte Rechnungen zu begleichen oder ihren Posten zu bekommen - sie war ja Zunftmeisterin der Fernhändler, wie du wahrscheinlich weißt. Es gibt auch Leute, die behaupten, sie sei ermordet worden, weil sie unehrliche Geschäfte betrieben habe; andere wiederum glauben, ihr Tod sei von Schuldnern verursacht worden, die sich auf diese Weise ihrer Schulden entledigen wollten. Dann habe ich auch Gerüchte gehört, die besagen, dass sie Mitglied einer Geheimorganisation gewesen sei und von einem feindlichen Geheimbund aus dem Weg geräumt wurde... Naja, du siehst, es gibt zahlreiche Meinungen, Gerüchte, Behauptungen... Aber was stimmt... Wer weiß?"

Algon grübelte. An viele dieser Möglichkeiten hätte er im Traum nicht gedacht. "Was glaubt Ihr denn, was stimmt, Meister Chad?" "Ich?" Der Barde lachte. "Ich bin nur ein einfacher Sänger, der manches hört und manches sieht..." "Aber Ihr kennt Euch doch aus. Ihr müsst doch eine Meinung haben." Chad stand auf, ging zu einem Beet neben der Bank und kniete dort vor einer Blume nieder. Rasch blickte er sich um, ob auch niemand zusah, dann pflückte er die Blume und kam zurück zur Steinbank. Er setzte sich und hielt die Blume vor sich, so dass Algon sie sehen konnte.

"Siehst du diese Blume?" Algon nickte. "Nennen wir diese Blume "Blume der Gerüchte". Wenn du zu ihrem Kern, den Samenkapseln vordringen willst, dann musst du diese Samenkapseln erst freilegen." Er zupfte eines der rosafarbenen Blütenblätter aus. "Agenten auswärtiger Feinde? Ziemlich unwahrscheinlich. Weder können sie auf diesem Weg unseren Handel lahm legen, noch unserem Reich ernsthaft schaden." Er ließ das Blütenblatt fallen und zupfte ein weiteres aus. "Ein Racheakt getäuschter Geschäftspartner? Auch sehr unwahrscheinlich. Sie war für ihre ehrlichen Handelspraktiken bekannt und konnte es sich in ihrer Position auch gar nicht leisten, Leute zu betrügen." Wieder segelte das Blütenblatt zu Boden und Chad riss ein weiteres Blütenblatt aus. "Schuldner, die sich ihrer Schulden entledigen wollten? Nein, wohl auch nicht. Dann hätten sie die Gelegenheit genutzt und die ganzen Schuldbücher Lady Arinas vernichtet, als sie in ihrem Haus waren, um sie zu ermorden. Das haben sie aber nicht getan, also ist diese Theorie wohl auch eher Unfug." Das nächste Blütenblatt wurde aus der jetzt schon sehr zerrupft aussehenden Blume gezupft. "Das Gerücht, dass sie von einem Konkurrenten innerhalb der Fernhändlerzunft beseitigt wurde... nun, das ist schwerer zu widerlegen. Diese Möglichkeit besteht durchaus. Dagegen spricht aber, dass sie erst vor Kurzem in ihrem Amt bestätigt wurde und das, soweit ich gehört habe, ohne Gegenkandidaten. Sie war, nach allem, was man hört, sehr beliebt in ihrer Zunft. Ich würde also den Gedanken nicht völlig beiseite schieben, halte das aber für nicht so sehr wahrscheinlich. Die Sache mit dem Geheimbund..."

Er griff nach einem der letzten Blütenblätter, zögerte aber es auszuzupfen. "Normalerweise würde ich das in das Reich der Spekulation verweisen. Man soll bei diesen Dingen immer zunächst die einfachen Alternativen für wahrscheinlich halten, bevor man mit dem Geheimen und Obskuren zu jonglieren beginnt. In diesem Fall jedoch..."

Algon hörte das Zögern in der Stimme des Barden. "Ja?", fragte er und konnte seine Ungeduld kaum zügeln. Chad strich leicht mit einem Finger über das Blütenblatt. "Es gibt in den letzten Monaten  immer mal wieder Gerüchte über die Aktivitäten diverser Geheimbünde. Du musst wissen, dass es solche Organisationen in Hibernia immer gegeben hat. Die meisten sind völlig harmlos und eher Zusammenschlüsse geistig leicht angeschlagener Personen, die sich durch all diesen geheimbündlerischen Firlefanz unglaublich wichtig vorkommen. Es gibt aber auch geheime Orden und Verbindungen, die durchaus ernst zu nehmen sind. So soll es Geheimorganisation von magisch Begabten geben, die seltsame Ziele verfolgen, die sie niemandem außerhalb ihrer Verbindungen anvertrauen. Vor wenigen Jahren erst flog ein solcher Orden auf, der die Macht der Siabra in ganz Hibernia wieder herstellen wollte. Manche dieser Vereinigungen haben Mitglieder in den höchsten Kreisen der Gesellschaft. Aber ob das auf Lady Arina zutraf und falls ja, zu welcher Organisation sie gehörte und wer ein Interesse hätte, sie aus diesem Grund zu ermorden... ich weiß es nicht."

Er blickte Algon an. "Das ist nicht die Antwort, die du dir erhofft hast, oder?" Der junge Fian zuckte mit den Schultern. "Offen gestanden wusste ich vorher nicht genau, welche Antwort ich mir erwarten sollte. Ihr habt mir auf jeden Fall viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Habt Dank dafür."

Als Algon sich nach einer kurzen Verbeugung zum Gehen wandte, hörte er den Barden, der noch immer auf die Blume mit den wenigen verbliebenen Blütenblättern starrte, leise spöttisch singen.

"Schönheit vergeht,
vom Herbstwind verweht.
Die Pracht kehrt nicht wieder
in Mägdeleins Mieder.
Des Recken Stolz -
nicht mehr hart ist wie Holz.
Das Haar, einstmals wallend -
nun grau und ausfallend.
Die Lippen, die schönen,
werden uns bald verhöhnen.
Kein Zahn mehr dahinter.
Ja. Bald droht der Winter
des flüchtigen Lebens.
War alles vergebens?"

Mit diesen Worten steckte sich Chad die zerrupfte Blume hinters Ohr und lehnte sich wieder auf der Bank zurück. Lächelnd verließ Algon den kleinen Garten.

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« Antwort #10 am: 31. Juli 2003, 17:21:16 »
Pferde waren in Hibernia relativ selten. Eine Ausnahme bildeten die Bestände der offiziellen Pferdehändler, bei denen man für Reisen durch das Reich für bestimmte Strecken Pferde mieten konnte. Pferde in Privatbesitz aber waren eine echte Rarität, da sie kaum zu bezahlen waren. Daher waren die Stallungen Lord Fagans ein Zeichen für seinen gewaltigen Reichtum und seine große Macht im Reich Hibernia. Dennoch standen auch in diesen Ställen nur einige wenige Rösser, als Teslin schließlich dort ankam, um nach dem ehemaligen Wachführer zu suchen. Ein Stallknecht wies ihm den Weg.  Mephlen, einstmals stolzer Wachmann in der Reichswache Hibernias, schichtete gerade Mist um, als Teslin den Stall betrat. Er blickte von seiner Arbeit auf und herrschte Teslin an: „Was wollt Ihr hier? Schert Euch raus. Ihr habt hier nichts zu suchen!“

Spontan änderte Teslin die Taktik, die er sich für das Gespräch mit Mephlen zurecht gelegt hatte. Ursprünglich hatte er Mitleid mit der Situation des Wachführers heucheln wollen, um so schließlich an die Informationen zu kommen, nach denen er suchte. Nun aber entschied er sich für einen anderen Weg.

„Doch“, antwortete er mit fröhlicher Stimme. „Das habe ich. Ich suche nämlich Euch.“ „Das ist ja schön für Euch. Nun, Ihr habt mich gefunden und jetzt schert Euch raus.“ Teslin lachte leise und griff in seinen Gürtel. „Nun, das will ich gern tun... wenn Ihr kein Interesse an zehn Goldstücken habt.“ Der frühere Wächter zögerte sichtlich. „Wofür wollt Ihr mir wohl zehn Goldstücke geben, hm?“ Teslin wandte sich zum Gehen. „Das hätte ich Euch ja gern gesagt, aber Ihr seid ja nicht interessiert.“ Mephlens Gesicht verdüsterte sich. „Also gut, wartet.“ Teslin blieb stehen und unterdrückte ein Grinsen. „Freut mich zu hören, dass Ihr Eure Meinung geändert habt. Also: ich hätte da ein paar Fragen. Die Antworten wären mir zehn Goldstücke wert.“ Der ehemalige Wächter blickte etwas unsicher drein. „Ich werde keine Geheimnisse über Lord Fagan oder die Reichswache verraten, wenn Ihr das meint.“ Teslin schüttelte mit dem Kopf. „Darum geht es mir auch überhaupt nicht. Ich hätte lediglich einige Fragen zu dem Mord... hm... der die Ursache für Eure ... unglückliche Situation ist.“ Ärgerlich schnaubend winkte Mephlen Teslin heran. Sie setzten sich auf zwei Hocker neben einer Pferdebox. „Unglückliche Situation... so kann man das auch nennen. Also, was genau wollt Ihr wissen?“

„Könnt Ihr mir sagen, um wen es sich bei dem Toten von Mag Mell gehandelt hat?“ „Ha, das ist noch die einfachste Übung. Der Tote war Oron Heimling, seines Zeichens Kaufmann für allerlei Abenteurer-Schnickschnack hier in Mag Mell. Er hatte einen kleinen Stand am Rande des Marktfeldes. Unbedeutend und unauffällig.“ „Hm.“ Teslin schürzte die Lippen. „Und wie hat man ihn gefunden?“ Der ehemalige Wachmann verzog angewidert das Gesicht. „Das war keine schöne Sache. Der Mörder hatte den Körper... oder sagen wir besser: den Rest des Körpers ... auf der Palasttreppe ausgebreitet. Der Unterkörper war wie mit einer riesigen Sense fast vom Oberkörper getrennt. Nur das Rückgrat hielt die beiden Teile noch zusammen. Der Brustkorb war vom Nabel bis zur Kehle aufgeschlitzt und aufgebrochen. Die inneren Organe hatte die verdammte Bestie herausgerissen und rund um den Kopf der Kaufmanns herum gelegt. Wie eine Art Kranz. Ziemlich widerlich.“

Mephlen lehnte sich zurück und dachte nach. „Ach ja. Die Augäpfel waren herausgedrückt worden. Und es gab fast gar kein Blut an der Stelle, wo wir die Leiche gefunden haben. Das hat uns endlos verwirrt. Überhaupt kein Blut.“

Teslin räusperte sich und schluckte den Kloß herunter, der sich bei der Beschreibung des Wachmannes in seiner Kehle gebildet hatte. „Aber wie konnte die Leiche auf die Treppe kommen? In der Nähe sind doch immer Wachen?“ Der ehemalige Wachführer stieß einen Fluch aus. „Das ist ja das Problem. Keiner meiner Leute hat etwas gesehen oder bemerkt. Es war zwar sehr dunkel in jener Nacht, aber eigentlich war immer zumindest eine Wache in der Nähe der Treppe. Es ist uns unerklärlich, wie jemand unbemerkt zu dieser Stelle gelangen konnte, die Leiche abladen, die Organe zu einem Muster formen und wieder verschwinden konnte, ohne gesehen zu werden.“

„Irgendwie verständlich, dass Lord Fagan da nervös wird, wenn so etwas direkt vor seiner Haustür passiert.“ Mephlen nickte unglücklich.

„Sagt, Mephlen, hatte der Tote irgendetwas bei sich? Etwas Besonderes zum Beispiel?“ „Hm, eigentlich nicht. Das war ja das Merkwürdige. Sogar sein Geldbeutel war noch an seinem Gürtel befestigt und offenbar nicht geplündert worden. Dem Mörder ging es daher ganz bestimmt nicht ums Geld. Zumal Oron sowieso nicht zu den Reichen gehörte.“ „Hatte er zufällig eine Kette oder ein Amulett um den Hals?“ Misstrauisch blickte Mephlen Teslin an. „Ja, jetzt, wo Ihr es sagt. Er hatte eine Art Amulett um den Hals. Ich dachte schon bei mir, wie kann sich so ein armer Schlucker ein solch feines Amulett leisten? Es war aus Gold und zeigte zwei Hände und einen Baum, glaube ich. Lord Fagan hat das Amulett an sich genommen, von daher konnte ich es nicht näher untersuchen.“

Teslin spürte, wie sich in seinem Inneren eine Unruhe breit machte. Offenbar hatte Algon doch nicht Unrecht, das Amulett war etwas Besonderes.

Hastig reichte er dem ehemaligen Wächter die versprochenen zehn Goldstücke und verließ Mag Mell.

Als er sich dem großen Osttor von Tir na nÓg näherte, war aus der Unruhe eine düstere Vorahnung geworden.

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« Antwort #11 am: 14. August 2003, 13:10:22 »
„Du schuldest mir zehn Goldstücke!“ „Wie bitte?“ Verduzt starrte Algon Teslin an. Die drei Freunde waren sich zufällig im Innenhof der Ordensfeste der Dunklen Templer über den Weg gelaufen und hatten sich in eine Ecke des Hofes zurückgezogen. Nun saßen sie dort auf einer Bank und tauschten die Erkenntnisse aus, die sie bisher hatten gewinnen können.

„Ich scherze nicht. Ich habe zehn Goldstücke ausgegeben, aber die Information, die ich dafür bekommen habe, war es wert, denke ich. Also schuldest du mir zehn Goldstücke.“ Spöttisch grinste Teslin den Keltenfian an.

Hastig überschlug Algon in Gedanken seine Barschaft. Zehn Goldstücke würden sie ganz schön belasten. „Ich dachte, wir gehen diesen Morden gemeinsam nach“, konterte er lahm. „Nene“, entgegnete Teslin. „Du bist der Initiator dieses Projektes, also musst du auch für die entstehenden Kosten gerade stehen.“ Ärgerlich winkte Algon ab. „Das diskutieren wir später nochmal. Erzähl lieber, was du herausgefunden hast.“ „Nun gut, aber glaub nicht, dass ich dich so davon kommen lasse. Die zehn Goldstücke will ich wieder haben.“ Dann berichtete er seinen beiden Freunden, was Mephlen, der ehemalige Wächter in Mag Mell, ihm erzählt hatte. „Als ich das mit dem Amulett hörte, dachte ich: ‚Das hört sich doch sehr bekannt an.‘ Könnte es sein, dass da jemand alle Leute umbringt, die ein solches Amulett tragen?“

Nachdenklich scharrte Algon mit den Füßen. „Es könnte schon sein. Wenn Chads Theorie von dem Geheimbund stimmen würde.“ „Was für ein Geheimbund?“ In knappen Worten berichtete Algon über die Gedanken, die Chad, der Barde, zu dem Thema entwickelt hatte. Teslin runzelte die Stirn. „Also, wenn wir das mal zusammenfassen, dann könnte es sein, dass jemand die Angehörigen eines Geheimbundes umbringt, der als Symbol ein solches Amulett trägt. Nur mal so als Theorie. Dann stellen sich drei Fragen, würde ich sagen. Erstens: Wer ist der Mörder? Zweitens: Was für ein Geheimbund ist das? Und drittens: Warum werden die Mitglieder des Geheimbundes umgebracht?“

„Nehmen wir mal an, diese Theorie träfe zu“, entgegnete Algon. „Der Mörder hat offenbar eine ... ja, wie soll man das sagen... Aura. Felips, hast du dazu etwas herausfinden können?“ Der kleine Eldritch nickte langsam. „Nichts Definitives. Aber einen Hinweis habe ich von Meisterin Caderra erhalten: Sie meint, es könnte eine Verbindung zum Abgrund der Finsternis geben, jedenfalls erinnerte sie meine Beschreibung sehr stark an dieses finstere Verließ.“ „Ein Mörder, der aus dem Abgrund der Finsternis stammt?“, entfuhr es Algon. „Das kann ja wohl kaum sein. Schließlich können die dortigen Monster und Dämonen das Verließ nicht verlassen, das weiß doch jeder.“ Felips zuckte mit den Schultern. „Ich kann nur sagen, was mir Meisterin Caderra dazu gesagt hat. Es könnte, die Betonung liegt auf „könnte“, eine Verbindung zwischen dem Mörder und dem Abgrund der Finsternis geben. Ich war noch nie dort, also kann ich das nicht bestätigen.“ „Also müsstest du dort mal hin, nicht wahr?“, fragte Teslin mit ernster Miene. Der kleine Eldritch erschauderte sichtlich. „Ich bin dazu viel zu unerfahren. Allein komme ich dort keine paar Meter weit. Ihr übrigens auch nicht.“ „Vielleicht ließe es sich arrangieren“, unterbrach ihn Algon, „dass du einmal mit einer Gruppe erfahrener Templer mit in den Abgrund der Finsternis ziehen könntest, die dort auf Beutezug geht. Schließlich brechen immer mal wieder Mitglieder unseres Ordens in das Verließ auf, um die wertvollen Siegel, die die Dämonen dort horten, zu erbeuten.“

Zweifelnd schaute Felips ihn an. „Und was soll ich dann dort?“ „Du sollst überprüfen, ob die Aura, die du gespürt hast, tatsächlich etwas mit dem Abgrund zu tun hat. Und das kannst nur du, niemand sonst, und das kannst du nur dort tun.“ „Angst?“, fragte Teslin. „Ja, ein wenig“, gab Felips unumwunden zu. „Aber wenn mich eine Gruppe mitnehmen würde, dann würde ich dorthin gehen.“

„Dann ist das also entschieden“, sagte Algon. „Ich werde nachher mit den Großmeistern Phadric und Jacub sprechen und denen mitteilen, was wir herausgefunden haben. Vielleicht können die ja einen Platz in einer Gruppe für dich arrangieren. Danach treffen wir uns dann im „Grab Bag Inn“. In Ordnung?“ Seine beiden Freunde nickten. Dann machten die Drei sich auf, jeder in seine eigenen Gedanken versunken.

Aber bei jedem waren die Gedanken recht düster.

******

„Was soll das heißen: ‚noch nicht wieder bereit‘?“ Die Gestalt in der roten Robe tobte vor Wut. Die beiden Zauberkundigen vor ihm verbeugten sich zitternd. Mit bebender Stimme versuchte der eine der beiden eine Erklärung: „Vergebt uns, oh Mächtiger. Aber der Hunger, der ihn antreibt, ist noch nicht wieder groß genug, um ihn aus seinem Schlaf zu erwecken. Es ist nicht sicher, dass er bereits jetzt wieder fähig ist, einen... einen... „Auftrag“ auszuführen.“ Die Gestalt funkelte ihn an. „Dann sorgt dafür, dass er dazu fähig ist.“ Der Zauberkundige verbeugte sich noch tiefer. „Wir werden natürlich tun, was wir können, oh Mächtiger. Aber bedenkt bitte, dass unsere Kontrolle über ihn am stärksten ist, wenn sein Hunger am größten ist. Dann können wir die Bilder derjenigen, die er töten soll, am einfachsten in seinen Geist projizieren. Je geringer sein Hunger, desto größer die Gefahr, dass sich sein Geist uns widersetzt.“

Mit Eis in der Stimme flüsterte die Gestalt: „Ihr werdet dafür sorgen, dass er heute Abend bereit ist. Und wehe euch, falls er seinen Auftrag nicht erfüllt. Dann könnt ihr ihn in seiner Schlafkammer besuchen gehen.“

Die beiden Zauberkundigen erschauderten. „Es wird geschehen, wie Ihr befehlt, oh Mächtiger“, brachte schließlich der Ältere von beiden stockend hervor.

Die Gestalt in der roten Robe nickte und ging zum Fenster seines großen Zimmers. Nachdenklich blickte sie auf die Straßen von Tir na Óg. Warum mussten alle immer Schwierigkeiten sehen? Warum waren sie nicht bereit, Risiken einzugehen? Die Gestalt entschied, dass das der Unterschied zwischen ihr und den ganzen Würmern dieser Welt war. Und darum war sie auch ausersehen, Hibernia in ein neues düsteres Zeitalter zu führen.

Und niemand würde sie daran hindern.

******

Die Bilder in seinem Geist waren verwirrend. Natürlich spürte er Hunger. Hunger war eine der Grundlagen seiner Existenz, er kannte kein Sein ohne Hunger. Aber dennoch war dieser Hunger nicht sonderlich groß, schließlich hatte er sich erst vor kurzem am köstlichen Lebenssaft seines letzten Opfers gütlich getan.

Deshalb war er träge. Er wusste, dass man ihn rief, dass er erwachen sollte. Aber er wehrte sich dagegen, aus seinem Schlaf gerissen zu werden. Doch die Gedanken, die ihn trieben wurden drängender, fast schon verzweifelt. Und obwohl sein Drang zu töten noch nicht wieder erwacht war, wurde seinem dahin treibenden Geist klar, dass er bald würde erwachen müssen.

Mit wütenden Zuckungen scharrten seine Klauen auf dem Stein, auf dem er lag.

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« Antwort #12 am: 26. August 2003, 13:57:52 »
Der Abend begann für Algon mit einer Enttäuschung. Keiner der Großmeister war für ihn zu sprechen, ohne dass ihm mitgeteilt wurde, was der Grund dafür war. Ärgerlich irrte er durch die seltsam verlassen wirkenden Gänge der Templerfeste. Schließlich lief ihm Meister Andri, ein in vielen Schlachten ergrauter Veteran, über den Weg. Müdigkeit zeichnete das Gesicht des Keltenfians. Weil Andri wie er selbst ein Angehöriger des Weges der Waffe war, traute Algon sich, ihn anzusprechen.

„Verzeiht, Meister Andri, aber darf ich Euch etwas fragen?“ Der Veteran, der völlig in Gedanken versunken war und Algon gar nicht bemerkt hatte, schreckte hoch. Dann lächelte er müde. „Natürlich. Wenn es schnell geht.“ Algon blickte sich um und zeigte auf die leeren Gänge. „Könnt Ihr mir sagen, wo alle sind? Ich habe überhaupt nichts von einem Feldzug oder einem Angriff auf ein Verlies gehört. Trotzdem ist kaum jemand hier. Und auch die Großmeister, mit denen ich verabredet war, sind für mich nicht zu sprechen...“ Erstaunt schaute ihn der Fian an. „Wie bitte? Hast du etwa noch nicht gehört, was vorgefallen ist?“

Beklommen schüttelte Algon den Kopf. „Nein...“ Andri legte ihn mit einem traurigen Lächeln die Hand auf die Schulter. „Heute haben viele Dunkle Templer unseren Orden verlassen. Auch einige der Großmeister. Darum ist es hier so leer.“

Betroffen starrte Algon den Kelten an. Er konnte kaum glauben, was er hörte. „Wie? Verlassen...? Was bedeutet das?“ Andri zuckte mit den Schultern. „Das bedeutet genau das, was ich sage. Sie sind aus unserem Orden ausgetreten, weil sie mit der Entwicklung der Dunklen Templer nicht mehr einverstanden waren. Frag mich bitte nicht, warum. So richtig verstehe ich es auch nicht. Auf jeden Fall jagt derzeit eine Krisensitzung die nächste. Darum ist auch kein Großmeister für dich zu sprechen.“

Algon fühlte sich, als hätte ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. „Und... und nun? Was passiert jetzt?“, stammelte er. „Wir wissen es noch nicht genau. Leider. Nur eines ist sicher. Die Dunklen Templer werden sich von Grund auf verändern.“

„Aber ich habe von den Großmeistern einen Auftrag erhalten... was soll ich denn jetzt machen?“ Andri zuckte mit den Schultern. „Nun ja, ich kann dir nur einen Rat geben: führe den Auftrag so aus, wie du meinst, das es richtig ist. Du bist ein Dunkler Templer, Algon. Das heißt, du übernimmst Verantwortung. Tue das, was in deinen Augen für unseren Orden das Richtige ist.“

Mit einem niedergeschlagenen Nicken in Algons Richtung ging Andri weiter und verschwand hinter der nächsten Gangbiegung. Algon aber setzte sich auf eine Bank, die an der Wand des Ganges stand und starrte blicklos ins Leere.

Das „Große Schisma“, die Spaltung der Dunklen Templer, hatte begonnen.

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« Antwort #13 am: 09. September 2003, 12:28:13 »
Amero Angari war ein massig gebauter Firbolg, nicht so groß wie andere seiner Rasse, aber mit gewaltigen, muskelbepackten Schultern. Jahrzehnte, in denen er fast täglich seine schwere Schuppenrüstung getragen und seinen mächtigen Zweihandhammer geschwungen hatte, hatten seinen Körper geformt. Eine gezackte Narbe zog sich über sein Gesicht, wo ein albionischer Infiltrator mit seinem Krummsäbel einmal schneller gewesen war als der Firbolg. Nicht dass es ihm etwas genützt hätte. Ameros furchtbarer Kriegshammer hatte ihm dennoch mit schrecklicher Präzision den Schädel zertrümmert.

Mit Missmut hatte Amero in den letzten Jahren das zunehmende Grau in seinen Haaren beobachtet. Überhaupt erinnerte ihn sein Körper immer häufiger daran, dass seine Jugend schon eine ganze Weile zurücklag. Kleine Wehwehchen traten auf - ein Ziehen hier, ein Stechen dort, eine Wunde, die nicht mehr so schnell verheilte wie früher an anderer Stelle. Kurz: Amero spürte das Alter und das gefiel ihm überhaupt nicht.

Mit einem verärgerten Schnauben legte Amero die Drahtbürste aus der Hand, mit der er seine Schuppenweste von den unvermeidlichen kleinen Roststellen befreit hatte, die sich nach dem Regen, der während der letzten Übungsstunde im Freien gefallen war, gebildet hatten. Er streckte sich, sein Rücken schmerzte. Andere hätten an seiner Stelle vielleicht einen Schüler oder Diener mit der Reinigung der Rüstung beauftragt, nicht jedoch Amero. Für ihn war es nicht nur eine Frage der Ehre, für seine Ausrüstung selbst verantwortlich zu sein. Er traute auch niemandem anderen zu, seine Rüstung so zu pflegen, dass er sich beim nächsten Gefecht darin sicher gefühlt hätte. Also tat er es selbst, auch wenn ihn die Prozedur seit einiger Zeit immer häufiger die Wehwehchen des Alters spüren ließ.

Seufzend hängte er die schwere Weste auf den dafür vorgesehenen Holzständer. Er streckte sich und schaute zum Fenster hinaus. Längst war es Abend geworden und die Sonne war untergegangen. Einen Moment lang überlegte er, ob er ein Feuer im Kamin entzünden sollte, entschied sich dann aber dagegen. Er wollte nicht noch mehr verweichlichen, auch wenn ihm die feuchte Kühle der Nacht inzwischen stärker zusetzte als früher.

Dann schnallte er seinen Gürtel mit dem Kurzschwert um, dass er immer trug, wenn er in der Stadt unterwegs war, nahm aus einer verborgenen Schublade seines schweren Kleiderschrankes einige Münzen, die er in seinen Geldbeutel steckte, und verließ gemächlichen Schrittes sein kleines Haus, das in der Nähe der Ausbildungshalle der Fiane lag.

Als er in die nur schwach beleuchteten Gassen der Oberstadt von Tir na nÓg eintauchte, um sich in Richtung seiner Lieblingskneipe zu bewegen, bemerkte er den dunklen Schatten, der ihm folgte, nicht.

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Der Ritt der Göttin (Algon Teil 2)
« Antwort #14 am: 03. Oktober 2003, 10:06:17 »
Algon verstand die Gefühle nicht, die ihn beschäftigten, als er durch die dunklen Gassen Tir na nÓgs zum Grab Bag Inn ging. Ärger, Frustration und vor allem Verwirrung - all dies bewegte ihn. Der Austritt einiger weniger Dunklen Templer hatte sich in kurzer Zeit fast zu einer Lawine entwickelt, in deren Gefolge zahlreiche prominente Templer den Orden verlassen hatten. Inzwischen hatte er gehört, dass diese sich in einer neuen Gilde zusammengeschlossen hatten. Dies alles verstand Algon nicht. Warum die Templer verlassen, um dann mit den selben Leuten einen neuen Orden zu bilden?

In seine düsteren Gedanken versunken, bemerkte er zunächst die dumpfen Kampfgeräusche nicht, die aus einer dunklen Seitengasse drangen. Unterdrücktes Keuchen, schmerzhaftes Stöhnen und seltsame Töne, die ein Mensch kaum hervorbringen konnte, klangen aus der Dunkelheit. Stahl klirrte auf Stein. Erschrocken blieb Algon stehen und lauschte in die Finsternis. Ein furchtbares Röcheln erklang und brachte Algon dazu, seine Starrheit abzuschütteln und sein Schwert zu ziehen, das er eigentlich an diesem Abend eher zufällig trug, weil es ihm in der traurigen Situation der Dunklen Templer etwas Stabilität und Sicherheit vermittelte. Vorsichtig schlich er in die düstere Gasse. Als er um eine Ecke bog, konnte er auf einen kleinen Platz blicken, der eigentlich eher eine verbreiterte Kreuzung zweier Gassen war. Der Anblick, der sich ihm bot, ließ ihm den Atem stocken.

Eine riesige Gestalt erhob sich auf dem kleinen Platz, eine Gestalt, die grauenhafter war als alles, was er je erblickt hatte. Gewaltige Flügel spannten sich auf ihrem Rücken fast von der einen Seite des Platzes zur anderen. Die Gestalt war vollkommen unbekleidet, was aber wenig ins Gewicht fiel, denn sie hatte ohnehin nur eine vage Ähnlichkeit mit einem Menschen. Ihre Haut war von einem dunklen Grau und bedeckte gewaltige Muskeln. Die riesigen Hände und Füße waren mit messerscharfen Klauen bewehrt, von denen Blut tropfte. Das Gesicht der monströsen Gestalt konnte Algon nicht erkennen, denn sie wandte ihm den Rücken zu. Aber er war auch nicht sicher, dass er es jemals kennen lernen wollte, so grauenhaft waren die Geräusche, die das Monster von sich gab. An der Wand vor der Gestalt lehnte die verkrümmte Gestalt eines entsetzlich verwundeten Firbolgs, der ihr in einem letzten Akt trotziger Verzweiflung mit zitterndem Arm ein Kurzschwert entgegenstreckte.

Blut tropfte aus vielen Wunden des Firbolgs, vor allem aber aus einer riesigen klaffenden Wunde in seiner Schulter. Auf den ersten Blick konnte Algon erkennen, dass der Mann dem nächsten Angriff des Monsters erliegen würde. Dieses zischte verächtlich auf den Firbolg herab und hob langsam seine krallenbewehrten Arme, um ihm den Rest zu geben.

Algon kam es so vor, als würde sich die Zeit verlangsamen, sein Denken jedoch dramatisch beschleunigen. Instinktiv wusste er, dass er gegen die grauenhafte Gestalt eigentlich keine Chance hatte. Und dennoch - er konnte nicht einfach im Schatten der Gassenkreuzung stehen  bleiben und ihr bei ihrem furchtbaren Tun zusehen.

Ehe er sich's versah, spürte er, wie seine Beine fast wie von selbst zu rennen begannen. Sein Denken hatte sich fast von seinem Körper gelöst. Er sah sich gewissermaßen selbst zu, wie er sich von hinten auf das Monster stürzte und ihm mit aller Kraft das Schwert ins linke Bein zu rammen versuchte. Sein Verstand signalisierte ihm milde Überraschung, als das Schwert nur ein winziges Stück ins Fleisch des Ungeheuers eindrang und ein wenig schwarzes Blut aus der Wunde rann. Sofort hob er das Schwert erneut, um wiederum zuzustoßen. Doch da fuhr das Monster mit einer unglaublich schnellen Bewegung herum und wandte sich ihm zu.

Und nun sickerte auch so etwas wie Furcht in Algons Magengrube. Das Gesicht der Bestie war grauenerregend. Rasiermesserscharfe Fangzähne bleckten aus einem riesigen Maul, gelber Geifer rann das unmenschliche Antlitz herab. Eines der spitzen Ohren war abgerissen, offenbar war die Waffe des Firbolgs nicht ganz so uneffektiv gewesen wie Algons. Am schlimmsten waren jedoch die Augen des Monsters. Nachtschwarze Kohlen inmitten des grauenhaften Gesichtes. Und sie waren in voller Konzentration auf Algon gerichtet.

Das Antlitz des Monsters verzog sich höhnisch. Dann schlug es blitzschnell mit seinem rechten Klauenarm zu. Nur um Haaresbreite konnte Algon sich aus der Bahn der langen Klauen werfen, dies kostete ihn allerdings seine Balance und er taumelte unkontrolliert nach hinten. Das Ungeheuer setzte sofort nach und versetzte ihm eine heftigen Rückhandschlag, der ihn gegen eine Hauswand krachen ließ. Benommen schüttelte er den Kopf. Seine Brust schmerzte heftig. Er knirschte mit den Zähnen und machte sich auf den nächsten Angriff des Monsters gefasst, das rasch näher kam. "Ist das das Ende?", schoss es ihm durch den Kopf. Die Bestie baute sich über ihm auf und machte sich zum Angriff bereit. Plötzlich jaulte sie schmerzerfüllt auf und fuhr herum. Algon reckte sich, um den Grund zu erkennen. Der Firbolg hatte sich aufgerafft und dem Ungeheuer sein Kurzschwert tief in den Oberschenkel gerammt. Mit einem einzigen Hieb fegte das Monster den Mann von den Beinen und ließ ihn wie eine Puppe an der gegenüberliegenden Wand aufschlagen. Dort brach er zusammen und regte sich nicht mehr.

Mit einem hasserfüllten Grunzen fuhr das Ungeheuer zu Algon herum.

Plötzlich hörte Algon, der sich an der Wand zusammenkauerte, wie etwas rasend schnell heranzischte und sich mit einem hässlichen Klatschen ins Fleisch des Monsters grub. Erstaunt bemerkte er einen schwarzen Pfeil, der mit einem Mal aus der Schulter der Bestie ragte. Wieder zischte es und ein zweiter Pfeil bohrte sich in den Körper des Ungeheuers.

Dieses drehte sich um und Algon glaubte, dass es sich nun auf den geheimnisvollen Schützen werfen würde, doch statt dessen breitete es seine Flügel aus, machte einige tapsige Schritte und erhob sich in die Luft. Mit wenigen Schlägen seiner gewaltigen Schwingen verschwand es in der Dunkelheit der Nacht.

Regungslos blieb Algon an der Wand liegen, unfähig, das soeben Geschehene zu begreifen. Dann hörte er leise Schritte herannahen und eine Gestalt beugte sich über ihn. Unfähig zu einer Reaktion blickte er in das Gesicht seines Retters... oder besser seiner Retterin, die ihn sorgenvoll anblickte. "Algon, Junge, mach keinen Mist. Bist du in Ordnung?" Mühsam nickte er. "Taleea", würgte er hervor. "Wer sonst?", fauchte sie ihn an. Erstaunt über ihre heftige Reaktion versuchte er sich zu erheben. Als sie ihm helfend unter die Arme griff, bemerkte er, dass sie am ganzen Körper zitterte. Offenbar war er nicht der einzige, der hier unter Schock stand.

"Was war das?" Er schüttelte den Kopf. "Ich habe keine Ahnung. Ich habe so etwas noch nie gesehen." Stöhnend erhob er sich ganz. "Wir müssen dem Firbolg helfen. Komm." Auf Taleea  gestützt, humpelte er mühsam in Richtung des erschreckend reglos an der Wand liegenden Körpers.

******

Der Mann im dunklen Mantel gestattete sich ein dünnes Lächeln und verbarg sich wieder tiefer im Schatten der Gasse. Im Stillen gratulierte er sich selbst zu dem Einfall, den Geräuschlosigkeitszauber, der das Monster für Gewöhnlich umgab, soweit aufzuheben, dass Algon und Taleea etwas von dem Kampf hatten hören können. Es wäre allerdings sehr unangenehm gewesen, wenn der junge Fian umgebracht worden wäre, aber das war nun mal das Risiko. Und das Ergebnis war dieses Risiko wert gewesen.

Ja, sein wahrer Meister würde von dem Verlauf der Ereignisse sehr angetan sein. Ohne einen weiteren Blick auf die Geschehnisse auf dem kleinen Platz verschwand er in der Nacht.

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